Missbrauchsskandal in Großbritannien: Höchste Zeit 

Kommentar7. Juli 2014, 18:32
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Beleidigungsgesetze schützen vor allem Promis

Am Anfang war Jimmy Savile. Ein Entertainer für ein Millionenpublikum bei BBC, freigiebiger Einsammler von Millionenspenden für Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen und häufiger Hausgast der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher. Erst nach seinem Tod stellte sich heraus: Savile war auch hundertfacher Sexualverbrecher, von sexueller Nötigung über Nekrophilie bis zur Vergewaltigung. Seine letzte Straftat beging er 2009, im Alter von 82 Jahren.

Seither haben die Briten immer neue Scheußlichkeiten erfahren über sogenannte Celebrities. Viele sind tot, andere ältere Männer wurden zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Ist damit der Gerechtigkeit Genüge getan? Hartnäckig hält sich im Umfeld des Unterhauses seit langem das Gerücht, im Beziehungsgeflecht aus Politik, Strafverfolgern und Prominenten seien übelste Verbrechen gegen Kinder und Jugendliche lang unter den Teppich gekehrt worden. Das empörende Verschwinden brisanter Aktenstücke hat den Verdacht verstärkt.

Es ist höchste Zeit, dass die konservativ-liberale Regierung eine Untersuchung anordnet. Diese sollte über die reinen Straftaten hinausgehen und folgende Fragen beantworten: Warum schützen die Beleidigungsgesetze auf der Insel vor allem Prominente? Wohin führt die Anbetung sogenannter Celebrities? Und warum wird den Opfern von Sexualverbrechern bis heute wenig Glauben geschenkt? (Sebastian Borger, DER STANDARD, 8.7.2014)

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