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Die Käsekrainer ist mehr als eine Wurst. Sie ist ein Kulturprodukt. 

9. Juli 2014, 10:41

Die Käsekrainer vereint die Seriosität des Wurstmacherhandwerks mit dem Spaß am ausufernden Genießen. Ihre Geschichte allerdings zeigt, dass man große Erfolge nicht immer auf den ersten Blick erkennt.

Die Geschichte der Käsekrainer beginnt in den siebziger Jahren in Salzburg, als der damalige Radatz-Verkaufsleiter Helmut Brandl mit einem Einkäufer von Billa zusammentrifft. Die beiden kommen ins Plauschen, und Brandl erfährt von einem Billa-Lieferanten aus Fuschl, der etwas Besonderes herstellt: Eine Wurst, die ihr Produzent "Käsegriller" nennt, und die außer Brät auch etwas Käse enthält. "Die geht gut", sagt der Verkaufsleiter zu Helmut Brandl, "schau dir das einmal an."

Brandl probiert die Kombination von Brät und Käse aus, zuerst mit Burenwurstbrät, dann mit Brät von der Polnischen. Die Würste, die den Namen "Käsekrainer" bekommen, spielen am Anfang im Sortiment von Radatz eine untergeordnete Rolle. Sie bleiben, wie Helmut Brandl konstatiert, "weitgehend unbeachtet."

Wie die Käsekrainer schließlich auf den Würstelstand kam

Man muss die Konsumgewohnheiten der siebziger Jahre betrachten, um den langsamen Anlauf, den die Käsekrainer unternehmen musste, zu verstehen. Am Würstelstand, dem seit jeher wichtigsten Marktforschungsinstitut jedes Wurstherstellers, gab es ausschließlich Brühwürste.

Erst als der erste Würstelstand beim Praterstadion sich beim Schlosser eine Vorrichtung zusammenzimmern ließ, auf der man Würste auch braten konnte, horchte die Branche auf. Binnen kürzester Zeit wurden Wiens Würstelstände mit Brateinrichtungen aufgerüstet.

Und plötzlich spielten alle Faktoren zusammen: Die Rezeptur vom Wurst-Brät, die Beschaffenheit des Emmentaler-Käses, die Vorbehandlung der Wurst sowie das von Christine Palfrader entwickelte "Stupfen" (jenes Anstechen, das dafür sorgt, dass die während des Bratens austretenden "Käsefusserln" eine Kruste auf der Wursthaut entwickeln können) - die Wurst wird während des Bratens mehrmals gestupft, gleichzeitig mit Öl eingestrichen und gegen Ende des Bratvorgangs nicht mehr gewendet, da sie nur so auf ihrem Käsefundament zu schweben beginnt. Die Kraft der Würze und Vielfalt der Konsistenz spielten hier zusammen wie bei keiner anderen Wurst, die es am Würstelstand gab.

Und plötzlich wurde die Wurst nicht nur verzehrt, sondern geliebt.

Der Aufstieg der Käsekrainer, sagt Christine Palfrader, "stellt alles in den Schatten". Und sie hat auch eine Erklärung dafür. Es wurde ein Nerv getroffen: "Der Wiener und seine Wurst. Das ist eine spezielle Liebe."

  • Artikelbild
    foto: radatz
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