Streitigkeiten nach Formel-1-Rennen in Spielberg 

7. Juli 2014, 17:26
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Gemeinde im Clinch mit Red Bull, Nachbarn klagen einander

Spielberg - So überschwänglich im steirischen Spielberg die Vorfreude auf den Formel-1-Grand-Prix auch war, so bitter ist jetzt - 14 Tage danach - bisweilen die Nachlese.

Der Gemeindevorstand streitet seit Tagen mit Ring-Eigentümer Red Bull um die Zahlung der Lustbarkeitsabgabe für die kassierten Eintrittsgelder. Und auch innerhalb der Gemeinde geht es rund: Nachbarn schwärzen sich gegenseitig bei der Finanzbehörde an. Der Hintergrund: Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz hatte im Zuge seines Projektes "Werkberg" den Bewohnern von Spielberg Farbe und Baumaterialien im Wert von einigen Millionen Euro geschenkt,  damit diese ihre Häusln und Gärten für das Formel-1-Rennen ordentlich herausputzen.

STANDARD-Informationen zufolge sind bereits etliche Verfahren bei der Finanzbehörde im Laufen, weil Gemeindebürger - die sich bei der Zuteilung der Farben und Baumaterialien benachteiligt fühlten - ihre Nachbarn bei der Finanz anzeigten, weil diese ihre Häuser mit Pfuschern renoviert und verschönert hätten.

Zu hohe Zäune

Auch die örtliche Baubehörde ist alarmiert, weil Hausbesitzer neue Zäune errichtet haben - und zwar über das zulässige Maß von eineinhalb Metern hinaus. Höhere Objekte bedürfen aber einer Baugenehmigung, die kaum jemand einholte. Die Gemeinde sieht sich jetzt gezwungen, genau zu kontrollieren, da sie befürchten muss, ansonsten von Anrainern, mit Amtshaftungsklagen bedroht zu werden. Der Gemeindevorstand muss sich zum einen also um den Zwist unter seinen Bürgern kümmern,  aber auch ersuchen, die Lustbarkeitsabgabe bei Red Bull einzutreiben, zumal die Gemeindekasse eine äußerst leere ist. Es dreht sich um kolportierte 4,5 Millionen Euro.

Wenn der Bürgermeister sich nicht auf die Hinterfüße stellt, wird die Bevölkerung - so dürfte die Gemeindeführung befürchten - Denkzettel austeilen. Und zwar demnächst bei den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 2015. Die Opposition ist jedenfalls bereits im Wahlkampfmodus und thematisiert die von Red Bull ausständige Lustbarkeitsabgabe.

Die Gemeinde, die Mateschitz wegen der Rückholung der Formel 1 auf den neu errichteten Red-Bull-Ring dankbar ist, will sich andererseits mit Bullenchef Mateschitz aber nicht verscherzen. So ist jetzt davon die Rede, dass man sich auch mit einer Million Euro Lustbarkeitsabgabe zufriedengeben könnte. (Walter Müller, DER STANDARD, 8.7.2014)

  • Spielberg im Formel-1-Rennfieber. Nach der Zielflagge fiel der Startschuss für Streitereien ums Geld.
    foto: apa / david ebener

    Spielberg im Formel-1-Rennfieber. Nach der Zielflagge fiel der Startschuss für Streitereien ums Geld.

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