Polnischer Ex-Vizepremier Giertych wollte angeblich Milliardäre erpressen

7. Juli 2014, 15:56
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Magazin "Wprost" veröffentlichte neue Aufnahmen - Ex-Politiker kündigte rechtliche Schritte an

Warschau - Das polnische Nachrichtenmagazin "Wprost"wirft dem früheren Vizepremier Roman Giertych vor, er habe mehrere reiche Polen erpressen wollen. Das Blatt veröffentlicht seit drei Wochen eine Serie von Abhöraufnahmen, die die polnische Regierung mittlerweile in eine schwere Krise gestürzt haben.

Die Zeitschrift brachte am Montag Stenogramme eines Gesprächs zwischen Giertych, der 2006-07 in den Regierungen von Kazimierz Marcinkiewicz und Jaroslaw Kaczynski den Vizepremiers- und Bildungsministerposten bekleidet hatte, und dem Enthüllungsjournalisten Piotr Nisztor aus dem Jahr 2011 heraus. Der Journalist hatte damals ein Buch über den reichsten Polen Jan Kulczyk geschrieben. Nisztor und "Wprost" behaupten, dass Giertych dem Autor 400.000 Zloty (rund 96.600 Euro) für die Urheberrechte an dem Buch bieten wollte. Der Ex-Politiker wollte laut Nisztor von Kulczyk damit Geld erpressen: Der Milliardär sollte dafür zahlen, dass das Buch nicht veröffentlicht wird. Giertych soll Nisztor angeboten haben, dieser würde 10 Prozent des dadurch erpressten Betrags erhalten. Der Autor hat nach eigenen Angaben das Angebot abgelehnt, das Buch ist allerdings bis heute nicht erschienen.

Potenzielle Opfer

Der frühere Chef der nationalkatholischen Partei Liga polnischer Familien (LPR) habe während des Gesprächs auch erklärt, dass dies nicht eine einmalige Aktion sein sollte. Er habe Nisztor vorgeschlagen, sich auch weitere reiche Polen zum Ziel zu nehmen. Als potenzielle Opfer nannte Giertych den Medien- und Telekomunternehmer Zygmunt Solorz-Zak, den Banker Leszek Czarnecki und den Investor Michal Solowow.

Der Ex-Vizepremier, der heute als Rechtsanwalt tätig ist, behauptete im Gespräch mit dem Radiosender TOK FM, dass er mit Nisztor lediglich über den Kauf der Urheberrechte an dem Buch "im Auftrag eines Freundes von Kulczyk" verhandelt habe. Er kündigte eine zivilrechtliche Klage gegen den "Wprost"-Verlag und eine Anzeige gegen Nisztor an, der durch die Veröffentlichung des Gespräches das Presserecht verletzt habe.

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