"Cyc": Die künstliche Intelligenz, die seit 30 Jahren entwickelt wird

7. Juli 2014, 16:03
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Soll Menschen verstehen und künftig als Betriebssystem für Roboter arbeiten

Maschinenlernen und Künstliche Intelligenz gehören zu den heutzutage wichtigsten Forschungsfeldern der IT-Branche. Apples Siri, Google Now und Microsofts Cortana versuchen, den Nutzer zu verstehen, und ihm vorausschauende Hilfe bei der Tagesplanung zu leisten. Das Ziel des weitestgehend unbekannten Unternehmens Cycorp ist allerdings viel höher gesteckt. Hier arbeitet man seit 30 Jahren an der "Kodifizierung von menschlichem Wissen und Verstand".

"Wir haben uns unter dem Radar bewegt, meist mit Absicht", sagt Firmenchef Doug Lenat gegenüber Business Insider. Die Firma solle keine fremden Investoren und keine Schulden haben. Bislang habe man sich mit der Veröffentlichung von Neuigkeiten oder Konferenzauftritten zurückgehalten. Nun sei man aber nah genug daran, etwas Anwendbares zu zeigen.

Erlernt, statt programmiert

Wenn man sich gesprochene oder geschriebene Sätze ansehe, bestünden diese nicht nur aus Worten, sondern beinhalteten auch Analogien, Glauben, Erwartungen, Angst oder auch Variablen. Chatbots, die menschliches Verhalten imitieren, lernen hauptsächlich aus großen Datenmengen, ebenso wie die Empfehlungsmechanismen von Amazon oder Netflix. Sie sagen zwar voraus, was jemand wahrscheinlich mag, verstehen aber nicht, wieso das der Fall ist.

Cyc ist seit 1984 in Arbeit und wird nach Angaben seiner Schöpfer nicht programmiert, sondern mehr "unterrichtet". "Wir nutzen eine konsistente Sprache, um ein Modell der Welt zu bauen", so Lenat. Die KI soll damit in der Lage sein, auch zwischen den Zeilen zu lesen.

Erklären und verstehen

Sie kann sich zum Lernen als verwirrter Sechstklässler ausgeben, der sich beispielsweise Mathematikaufgaben aus der Schuler vom Nutzer erklären lässt. Dies dient nicht dazu, die Rechnung zu lösen, da der Computer der Aufgabe ohnehin gewachsen ist, sondern herauszufinden, nach welcher Logik der Nutzer nach der Lösung sucht und bei etwaigen Problemen zu helfen.

Eine mögliche Zukunftsperspektive für Cyc ist es, etwa als eine Art Betriebssystem für Roboter im Eigenheim zu dienen, um ihnen mehr Wissen und menschliches Denken zu ermöglichen. (red, derStandard.at, 07.07.2014)

  • "Cyc" könnte künftig Heimroboter menschlicher machen.
    foto: reuters

    "Cyc" könnte künftig Heimroboter menschlicher machen.

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