Unfallvermeidung: Neuer Klettersteig-Lehrpfad in Gastein

7. Juli 2014, 21:00
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Am 13. Juli eröffnen die Gasteiner Bergbahnen einen Klettersteig-Lehrpfad. Geschicklichkeit und Trittsicherheit sollen dort geübt, Unfälle vermieden werden

Seit Sommerbeginn häufen sich Meldungen über Klettersteig-Unfälle: Alpinisten fallen in die Sicherung und verletzten sich, oder kommen vor Erschöpfung nicht weiter. Bergretter haben alle Hände voll zu tun. Als Hauptunfallursache gilt Selbstüberschätzung. Die Gasteiner Bergbahnen bieten auf der Schlossalm einen österreichweit einzigartigen Klettersteig-Lehrpfad an, wo jeder sein Können testen kann.

foto: apa/gasteiner bergbahnen ag/foto wolkersdorfer

"Bei uns kann jeder, vom Kind bis zum Senior, das Klettersteiggehen ausprobieren und üben. Das Thema Sicherheit steht an oberster Stelle", erklärte Gerald Wenger, Marketingexperte der Gasteiner Bergbahnen.

Geschicklichkeit und Spaß

Die Übungssteige dienen nicht nur zur Verbesserung der Geschicklichkeit und dem Spaß an der Bewegung in der Natur, sondern sollen helfen, Unfälle zu vermeiden. Laut dem Österreichischem Kuratorium für Alpine Sicherheit sind im langjährigen Schnitt fünf bis sechs Tote im Jahr auf heimischen Klettersteigen zu beklagen.

Stürzen, Stolpern und Ausrutschen waren von 2005 bis 2012 mit 39 Prozent die häufigste Unfallursache. Interne Notfälle und Herz-Kreislaufstörungen lagen mit 32 Prozent an zweiter Stelle, auf den dritten Platz folgte Steinschlag mit 16 Prozent. Am häufigsten verletzten sich 41- bis 50-jährige Alpinisten.

Die Benutzung ist kostenlos

Seit 2010 wurden auf der Schlossalm vier Klettersteige unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade und zusätzlich noch ein Trittsicherheitsparcours, ein Übungsklettersteig, ein Klettergarten und ein Slackline-Park von dem Gasteiner Alpinschulleiter Gerhard Angerer errichtet. Die Benutzung ist kostenlos. "Man kann von einem Klettersteig zum anderen wandern und alle schwierige Passagen üben. Es gibt kurze Zu- und Abstiege, auch Notausstiege", schilderte der Bergführer.

"Achtsames Steigen verhindert Steinschlag"

Ausgangspunkt des neuen Lehrpfades, der am 13. Juli mit Gratisführungen eröffnet wird, ist die Bergstation der Schlossalmbahn in Bad Hofgastein auf 2.050 Meter Seehöhe. Beim nahegelegenen Trittsicherheitsparcours widmen sich vier Tafeln der Klettersteig-Thematik. Eine Tafel gibt Sicherheitstipps: Die sorgfältige Planung der Tour ist genauso wichtig wie eine vollständige und normgerechte Ausrüstung und der Partner-Check am Einstieg. Zwischen zwei Fixpunkten darf nur ein Bergsteiger unterwegs sein. "Achtsames Steigen verhindert Steinschlag", ist da zu lesen.

Tafeln sollen aufklären

Auf einer weiteren Tafel wird die richtige Technik erläutert, beispielsweise wie die Karabiner in den nächsten Drahtseilabschnitt eingehängt werden. Empfohlen werden Helm und Klettersteighandschuhe. Insgesamt 13 Tafeln säumen den Lehrpfad. Sie geben auch Auskunft über das richtige Verhalten in den Bergen und im Notfall, über die Gefahren des Wetters, über Alpenpflanzen und den Nationalpark Hohe Tauern.

Schwierigkeitsgrade bis Stufe E können ausprobiert werden

Im Trittsicherheitsparcours werden der Ablauf und das Sichern in einem Klettersteig geübt. Der nächste Schritt ist der Übungsklettersteig: Auf kurzen Routen können die Schwierigkeitsgrade bis zur höchsten Stufe E ausprobiert werden. In einer Zeit von rund 20 Minuten ist eine Höhendifferenz von 30 Metern zu überwinden. Der längste Klettersteig auf der Schlossalm, der "Hirschinger", sorgt mit ausgesetzten Felstürmen und einer Flying Fox für Nervenkitzel. Schwierige Passagen können umgangen werden. Für den "Mauskarspitze"-Klettersteig, bei dem eine 30 Meter lange Hängebrücke zu überschreiten ist, benötigt der schon Geübte rund 50 Minuten.

Anzahl der Kletterer hat sich um 50 Prozent erhöht

Die Gasteiner Bergbahnen haben mit der Errichtung der Klettersteige auf den seit einigen Jahren anhaltenden Boom reagiert. Kletterten im Jahr 2010 rund 1.800 Alpinisten die "Mauskarspitze" hinauf, so hat sich die Anzahl im Vorjahr laut Angerer um 50 Prozent erhöht. Die Verkaufszahlen für Klettersteig-Sets steigen laut Kuratorium für Alpine Sicherheit rasant nach oben, auch die Anzahl der Steige nimmt jährlich zu. 2011 brachte das Kuratorium die erste "Klettersteigfibel" mit zahlreichen Tipps heraus.

Angebot ausgebaut

"Der Gast fährt mit der Seilbahn nicht auf den Berg, damit er nur oben ist. Er will dort etwas erleben, er will Action", erklärte Wenger, warum die Gasteiner Bergbahnen in das Thema Sommer in den vergangenen sechs Jahren rund eine Million Euro für Attraktionen wie eine 140 Meter lange Hängebrücke am Stubnerkogel investiert haben. Rund 250.000 Euro wurden für die Schlossalm aufgewendet, davon flossen rund 30.000 Euro in das Kletter-Angebot. Die zertifizierten Klettersteige werden jährlich von dem Erbauer überprüft.

Ein Folder, der auf "Hosentaschen"-Format zusammengefaltet werden kann, gibt in englischer und deutscher Sprache Auskunft über die Kletterei inklusive Topos auf der Schlossalm. Klettersteigsets können im Sportgeschäft in der Bergstation ausgeborgt werden, die Alpinschule Angerer bietet auch Kurse an. (APA, red, derStandard.at, 07.07.2014)

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