Geschäftsbasis im Osten wird für Österreichs Banken dünner

7. Juli 2014, 17:39
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Erste, Raiffeisen und Co verdienen im Osten durchaus noch Geld. Die in den Bilanzen schlummernden Risiken lassen sich nur erahnen

Wien - Die Kette vonn schlechten Nachrichten aus Osteuropa reißt nicht ab. Die Bank Austria musste im Frühjahr sämtliche ihrer Firmenwertbeteiligungen in der Region auf null abschreiben, was der Bank einen Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro bescherte. Die Erste strauchelte in Rumänien und Ungarn wird heuer in einer ähnlichen Größenordnung Federn lassen. Die Raiffeisen Bank International (RBI) wird ihre Beteiligung im Krisenland Ukraine und in Ungarn nicht los und sitzt in Russland auf hohen Risiken.

Am Montag präsentierte die Oesterreichische Nationalbank die nächste Horrorzahl: Seit 2008 mussten die heimischen Banken 44 Milliarden Euro für die Abdeckung von faulen Krediten in ihren Bilanzen zurückstellen. Tendenz steigend. Angesichts der Zahlen drängt sich die Frage auf, was auf die Institute noch zukommt und ob die Osteuropa-Exkursion nicht ein Fehler war.

Noch Geld im Osten

Unterm Strich verdienen Erste und Co in Osteuropa jedenfalls bis heute noch Geld. Die Tochterbanken der heimischen Geldhäuser erwirtschaften in der Region seit 2008 laufend Profite. 2013 betrug dieser operative Gewinn nach Steuern sogar satte 2,2 Milliarden Euro. Nur die hohen Belastungen durch Firmenwertabschreibungen führten dazu, dass der heimische Bankensektor 2013 netto erstmals Verluste schrieb. Seit 2008 hat der Bankensektor vor Steuern, aber mit allen Kreditvorsorgen im Osten sogar 20 Milliarden Euro verdient. Und: Nun sind die Firmenwerte bei den großen Playern so gut wie abgeschrieben.

Allerdings wird die Geschäftsbasis dünner. Während noch vor sechs Jahren eine Reihe von Ländern zu den guten Ergebnissen beitrug, sind es heute nur Russland (RBI, Bank Austria) und Tschechien (Erste). 40 Prozent der operativen Gewinne 2013 erwirtschaftete der Finanzsektor allein in Russland. Für die Bank Austria kommt noch die Türkei als Cashcow hinzu. Aber überall sonst überwiegen die Probleme.

Hinzu kommt der hohe Anteil an faulen Krediten. Rund 15 Prozent der Darlehen in Osteuropa bei den heimischen Tochterinstituten sind Non-performing Loans (NPL). Bei Fremdwährungskrediten liegt dieser Satz sogar über 20 Prozent. Tendenz steigend.

Hinzu kommt, dass in den Bilanzen noch erhebliche Unsicherheiten und Gefahren schlummern. Die erwähnten 44 Milliarden könnten nämlich nach Ansicht vieler Experten sogar ein recht optimistischer Wert sein. Der Betrag bildet die sogenannten Risikovorsorgen ab, zeigt also, mit welchen Ausfällen die Banken im Kreditgeschäft rechnen.

Großer Spielraum

Hier besteht für die Institute nach den internationalen Bilanzierungsregeln IFRS allerdings ein großer Spielraum. Am besten zeigen lässt sich das mit einem Beispiel: Vergibt ein Institut einen Hauskredit über 1000 Euro an einen Kunden in Bukarest, hat sie diesen Betrag als Forderung in der Bilanz stehen. Wird der Kunde arbeitslos und kann seine Raten nicht mehr zahlen, hat die Bank großen Spielraum. Wenn sie glaubt, dass der Kunde bald wieder einen Job bekommt, muss sie in der Bilanz unter Umständen gar nichts korrigieren. Hält sie dies für aussichtslos, ist die große Frage, welchen Wert die Sicherheit, also die Immobilie, hat. Kreditinstitute müssen nämlich eine Forderung in ihrer Bilanz nur abschreiben, wenn sie keine Sicherheit haben, die den Kreditwert deckt.

Allerdings sind die Immobilienpreise in Osteuropa seit 2008 stark gefallen. In Ungarn um rund zehn Prozent, in Rumänien noch stärker. Die Zahl der Immobilientransaktionen ist geschrumpft. Wie viel eine Immobilie wert ist, lässt sich oft realistisch gar nicht sagen. Der Internationale Währungsfonds und die Osteuropabank haben in den vergangenen Monaten wiederholt bemängelt, dass die Banken die Anerkennung von Verlusten nur verschleppen. (András Szigetvari, DER STANDARD, 8.7.2014)

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