Zu schön für einen Schleier, zu klein für die Hymne 

Gastkommentar7. Juli 2014, 13:31
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Die FPÖ will die Bundeshymne vor den Frauen und die Frauen vor dem Schleier retten - beides zeugt von einem rückständigen Frauenbild 

Österreich ist frauenpolitisch ein recht unauffälliges Land, aber derzeit werden gleich zwei interessante Diskussionen geführt, und in beiden ist die FPÖ an vorderster Front dabei. Das ist eine Überraschung, ist sie doch fast eine reine Männerpartei.

Sie hat nicht nur den niedrigsten Frauenanteil im Parlament - auch in ihrem 17-seitigen Parteiprogramm werden Frauen nur zweimal erwähnt: wenn es darum geht, sich von Frauenförderung zu distanzieren. "Die Bevorzugung eines Geschlechts zur Beseitigung tatsächlicher oder vermeintlicher Benachteiligungen wird von uns entschieden abgelehnt" (Parteiprogramm der FPÖ 2011).

Deshalb hat die FPÖ frauenpolitisch meist nur dann was zu melden, wenn sie gegen Frauenquoten, Frauenförderung oder Frauenschutz ("Frauenhäuser zerstören Familien", meinte etwa die FPÖ-Politikerin Brigitte Kashofer vor zwei Jahren) ist.

Sollen sie sichtbar sein oder doch nicht?

Das derzeit gleich doppelte Engagement der FPÖ ist deshalb auf jeden Fall eine nähere Betrachtung wert: Erstens will die FPÖ die Bundeshymne vor den Frauen und zweitens die Frauen vor dem Schleier retten. Auch wenn die Diskussionen zu unterschiedlichen Themen geführt werden (gegen die "Islamisierung" bzw. gegen den "Gender-Wahn"), sind sie eng miteinander verknüpft.

Beide Male geht es um Sichtbarkeit. Einmal sollen Frauen sichtbar sein, das andere Mal nicht. Ist das nicht widersprüchlich? Im Grunde nicht, weil es um unterschiedliche Arten von Sichtbarkeit geht.

In einem Fall sind die Männer der Meinung, dass die österreichischen Frauen nicht groß genug sind, um in der Bundeshymne besungen und sprachlich sichtbar gemacht zu werden. Hier geht es in Wirklichkeit um die Anerkennung, dass es bedeutende, mächtige, intelligente, erfolgreiche, wichtige österreichische Frauen gab und gibt. Sie will man nicht wahrhaben.

So soll sie aussehen: blond, im Dirndl

Das andere Mal sind die österreichischen Frauen aber den FPÖ-Männern zu schön, um auf ihren Anblick verzichten zu wollen. Hier geht es um eine ganz andere Sichtbarkeit, nämlich die, die der FPÖ gefällt: eine Frau, romantisch im Dirndl, hübsches Gesicht, Blumen in den Haaren und ein nettes Lächeln.

Ein solches Bild mit der Aufschrift "Zu schön für einen Schleier" posteten mehrere FPÖ-Politiker auf ihren Facebook-Seiten. Geht es nach der FPÖ-Jugend, darf es auch etwas mehr sein: Eine Frau mit nacktem Oberkörper - zum Bedecken ihrer Brust bleiben ihr nur die eigenen Hände.

Das rückständige, sexistische Frauenbild der FPÖ ist gerade jetzt sehr deutlich zu erkennen:  Frauen sollen ihre an männlichen Wünschen gemessene Weiblichkeit zur Schau tragen. Sie brauchen keinen Bart, um erfolgreich zu sein, aber Nacktheit ist erwünscht. Für die Männerpartei FPÖ dürfen sie hübsches Anschauungs- und Kampagnenmaterial sein.

Damit hat sich die Rolle von Frauen in der FPÖ aber auch schon erschöpft. Alles, was über die körperliche Dimension hinausgeht, beispielsweise politische oder sprachliche Sichtbarkeit, ist unerwünscht. (Dudu Kücükgöl, dieStandard.at, 7.4.2014)

Dudu Kücükgöl schreibt ihre Dissertation am Institut für Gender und Diversity Management und forscht zum Thema Islam und Feminismus. Sie ist in der muslimischen Community in Österreich aktiv und referiert zu unterschiedlichen Themen.

  • Dudu Kücükgöl: Das rückständige, sexistische Frauenbild der FPÖ ist gerade jetzt sehr deutlich zu erkennen.
    foto: apa/roland schlager

    Dudu Kücükgöl: Das rückständige, sexistische Frauenbild der FPÖ ist gerade jetzt sehr deutlich zu erkennen.

  • Enthüllung ist bei der FPÖ-Jugend angesagt.
    foto: rfj/screenshot

    Enthüllung ist bei der FPÖ-Jugend angesagt.

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