Steiermark: Ergotherapie "auf Krankenschein"

7. Juli 2014, 12:00
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Seit 1. Juli wird in zehn steirischen Vertragsambulatorien Ergotherapie als kostenfreie Kassenleistung angeboten 

Die Zeiten, in denen Versicherte der steirischen Gebietskrankenkasse (STGKK) ärztlich verordnete Ergotherapie nur mit hohen Selbstbehalten in Anspruch nehmen konnten, sind vorbei. Die Krankenkasse hat einen Vertrag mit zehn physikalischen Vertragsambulatorien geschlossen, wodurch diese ergotherapeutische Behandlung als kostenfreie Kassenleistung anbieten.

Zehn Vertragsambulatorien 

Seit 1. Juli können Versicherte in zehn Vertragsambulatorien in der Steiermark (siehe unten) notwendige ergotherapeutische Leistungen in Anspruch nehmen. Konkret steht den Steirern nun der Zugang zu ärztlich verordneten ergotherapeutischen Einzeltherapien im Ausmaß von 30 oder 60 Minuten, aber auch die Versorgung mit Schienen kostenfrei offen. Zudem haben Versicherte die Möglichkeit einen Hausbesuch der Ergotherapeutin in Anspruch zu nehmen.

"Seit vielen Jahren verfolgen wir das Ziel eines gleichwertigen Zugangs zur Ergotherapie für alle Österreicher. Ergotherapie muss eine Frage des Bedarfs und nicht der finanziellen Leistbarkeit oder des Wohnortes sein“, sagt Marion Hackl, Präsidentin des Bundesverbandes Ergotherapie Austria.  Während die Bundeskassen und manche GKKs ihrem Versorgungsauftrag nachkommen, herrschte in anderen Bundesländern großer Nachholbedarf, ganz besonders in Bezug auf die Versorgung von Kindern.

"Zuletzt konnten wir im Frühjahr 2014 durch den Vertrag mit der NÖGKK und mit der Schaffung von 36 Stellen für niedergelassene Ergotherapeutinnen eine große Versorgungslücke schließen", sagt Hackl. Sie freut sich, dass nun auch die STGKK zur Sicherstellung der Versorgung zehn physikalische Ambulatorien als Vertragspartner gewählt hat.

Menschen bestärken

Grundsätzlich dient Ergotherapie Menschen aller Altersgruppen und zielt darauf ab, Menschen bei der Durchführung von für sie bedeutungsvollen Betätigungen in ihrer Umwelt zu stärken. Ergotherapie wird zum Beispiel verordnet, wenn Menschen aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung alltägliche Verrichtungen nicht oder nicht mehr bewältigen können.

So üben zum Beispiel Schlaganfallpatienten in der Ergotherapie, sich selbstständig anzuziehen, Essen zuzubereiten, Handy und PC zu bedienen oder trainieren kognitive Fähigkeiten. Auch Menschen mit rheumatischen Erkrankungen, Handverletzungen oder Einschränkungen der Handfunktion finden in der Ergotherapie Unterstützung. Ergotherapeuten stellen individuell adaptierte Schienen her, beraten Patienten in Bezug auf gelenkschonendes Verhalten und passen Hilfsmittel und Umwelt entsprechend an.

Kinder mit Entwicklungsstörungen erhalten beispielsweise Ergotherapie, wenn sie aufgrund ihrer Beeinträchtigung Schwierigkeiten haben, alleine oder mit anderen zu spielen, sich auf etwas zu konzentrieren oder wenn sie motorisch so ungeschickt sind, dass sie altersentsprechende alltägliche Entwicklungsaufgaben nicht bewältigen können. (red, derStandard.at, 7.7.2014)

Zum Thema:

Ergotherapie: Mit so wenig Hilfe wie möglich

Liste der steirischen Vertragsambulatorien:

Stadtwerke Bruck/Mur GmbH | Physikoinstitut Gesundheitspark Voitsberg GmbH | Physikotherapeutisches Institut Ges.m.b.H Leibnitz | Das Kurhaus Bad Gleichenberg GmbH | APT Physikalische Therapie Am Stadtpark GmbH | APT Physikalische Therapie Hartberg GmbH | PAM - Physikalisches Ambulatorium Mürzzuschlag Ges.m.b.H. | Physikoinstitut Gesundheitspark Deutschlandsberg GmbH | Gesundheitstherme Wildbad GmbH | Neurologisches Therapiezentrum Kapfenberg GmbH | Physikalisches Ambulatorium Judenburg GmbH (ab 01.10.2014)

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