Forscher entwickelten einfachen Test für Lebensmittelallergien

7. Juli 2014, 11:11
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Ein neuer Test kann die verantwortlichen Proteine mit hoher Empfindlichkeit und Genauigkeit aufspüren

Etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen leiden an einer Nahrungsmittelallergie. Derzeit sind zeitaufwendige Tests nötig, um herauszufinden, welches Protein die Allergie auslöst. Nun stellen Forscher der ETH Lausanne (EPFL) einen einfachen Test vor, der auch seltene Allergene aufspüren soll. Die Forscher berichten darüber im Fachjournal "Analytical Chemistry".

Allergene aufspüren

Bei Allergien bildet der Körper Antikörper gegen ein auslösendes Protein, im Fall der Milchallergie sind dies Immunglobuline E (IgE). Milch enthält über 20 potenziell allergene Proteine. Derzeit muss für jedes einzeln aufwendig getestet werden, ob IgE-Antikörper dagegen vorhanden sind. Auch dann ist noch nicht klar, ob dieses Protein auch für die Allergie verantwortlich ist.

Der neue Test, den das Team um Hubert Girault von der EPFL entwickelt hat, könne die schuldigen Proteine mit hoher Empfindlichkeit und Genauigkeit aufspüren, schrieb die Hochschule in einer Mitteilung. Die Forscher isolierten dazu bei einer Patientin mit Milchallergie sämtliche IgE-Antikörper aus dem Blutserum.

Diese verknüpften sie chemisch mit magnetischen Kügelchen und fügten sie in ein Glasröhrchen ein, das halb so dünn ist wie ein menschliches Haar. Danach ließen sie sämtliche Milchproteine durch das Röhrchen fließen. Die Allergie auslösenden davon - bei der Patientin waren es vier - hefteten sich jeweils an "ihr" IgE an. Sie können mit Massenspektrometrie aussortiert werden.

Gezieltes Immun-Training

Auf diese Weise ließen sich auch sehr seltene Allergene entdecken, erklärten die Forscher. Darum kann sich der Test auch auf andere Nahrungsmittel wie Nuss- und Weizenprodukte anwenden. Dies könnte dabei helfen, individualisierte Therapien für Betroffene zu entwickeln - zum Beispiel ein gezieltes "Training" für das Immunsystem, um es gegen die betreffenden Nahrungsmittelproteine zu desensibilisieren.

In der Schweiz gibt laut dem Allergiezentrum Schweiz (AHA) bei Umfragen jeder Fünfte an, auf Nahrungsmittel allergisch zu sein. Gemäß europäischen Studien sind aber nur zwei bis vier Prozent der Bevölkerung betroffen, bei Kindern sieben bis zehn Prozent, wobei sich bei ihnen die Allergien häufig wieder auswachsen. Symptome sind Juckreiz und Schwellungen an Lippen, Zunge sowie der Rachenschleimhaut. (APA, derStandard.at, 7.7.2014)

  • Milch enthält über 20 potenziell allergene Proteine.
    foto: ap photo/michael probst

    Milch enthält über 20 potenziell allergene Proteine.

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