Separatisten richten sich auf Kampf um Donezk ein

7. Juli 2014, 19:09
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Berichte über schwere Gefechte in ostukrainischen Städten - Moskau fordert von EU Verurteilung der Regierung in Kiew

Donezk/Kiew - Nach ihrem Rückzug aus mehreren Rebellenhochburgen im Osten der Ukraine bereiten sich die prorussischen Kämpfer auf einen Kampf um die Millionenmetropole Donezk vor. In zahlreichen Straßen errichteten die Aufständischen am Montag Barrikaden und Kontrollposten. Vereinzelt waren Schüsse zu hören. Offenbar aus Angst vor einem Angriff flohen nach Behördenangaben zehntausende Menschen aus der Stadt.

"Die Atmosphäre ist sehr angespannt, es gibt keine Aussicht auf eine Zukunft. Man schläft im Alarmzustand ein, und man wacht im Alarmzustand auf", sagte ein 28-jähriger Koch. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein russischer Kollege Sergej Lawrow forderten eine neue Waffenruhe. Doch die Chancen dafür stehen schlecht.

Angriff auf Donezk und Luhansk

Am Wochenende hatten die ukrainischen Streitkräfte Slawjansk zurückerobert. Präsident Petro Poroschenko sprach von einem Wendepunkt im Kampf zur Erhaltung der territorialen Integrität des Landes. Bereitschaft, einer neuen Feuerpause zuzustimmen, signalisierte er nicht. Stattdessen teilte er am Sonntag per Twitter mit, die Fortsetzung des Einsatzes "zur Befreiung der Regionen Donezk und Luhansk" befohlen zu haben.

Die 120.000-Einwohner-Stadt Slawjansk war der Ort in der Ostukraine, in dem die Separatisten über Monate hinweg am meisten Kontrolle ausgeübt hatten. Nach ihrer Niederlage zogen sich viele Kämpfer nach Donezk zurück. Die Rebellen haben die Metropole zur Hauptstadt einer selbst ausgerufenen, unabhängigen Volksrepublik erklärt.

Auf den Alltag der Menschen in der Stadt hatte das bisher vergleichsweise geringe Auswirkungen. Doch jetzt fürchteten Bewohner, dass es zu schweren Kämpfen kommen könnte. Erste Geschäfte und Unternehmen blieben zum Wochenbeginn bereits geschlossen. Bis zu 30.000 Menschen hätten Donezk verlassen, sagte Maksim Rowinski vom Stadtrat.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen Rebellenkommandanten, der den Namen Igor Strelkow benutzt, mit den Worten, seine Männer würden um die Stadt kämpfen. Donezk sei sehr viel leichter zu verteidigen als Slawjansk. 80 bis 90 Prozent seiner Männer seien aus Slawjansk entkommen. Sie würden jetzt "die aktive Verteidigung" von Donezk organisieren. Strelkows wahrer Name ist Igor Girkin. Wo er sich aufhielt, ist nicht klar. Zwei andere bekannte Anführer der Separatisten, Alexander Borodai und Denis Puschilin, sollen sich in Russland befinden, wie aus dem Umfeld der Rebellen zu vernehmen war.

"Es herrscht ein richtiges Chaos"

Tatsächlich sei es um die Kampfmoral der Rebellen jedoch schlecht bestellt, sagte Anton Heraschtschenko, ein Berater von Innenminister Arsen Awakow. Sie fühlten sich verlassen, betrogen und getäuscht. Ein Kämpfer, der einer Gruppe angehört, die sich das Wostok-Bataillon nennt, und seinen Namen nicht nennen wollte, sagte: "Es herrscht ein richtiges Chaos."

"Donezk darf nicht bombardiert werden, der Donbass darf nicht bombardiert werden, die Städte und die Infrastruktur dürfen nicht zerstört werden", forderte der mit Abstand reichste Ukrainer Rinat Achmetow, dem in dem Gebiet viele Unternehmen gehören, im Fernsehen. "Wir müssen Tod und Leid friedlicher Menschen vermeiden", sagte der Kohle- und Stahl-Magnat.

Russland gab sich in diesem Punkt allerdings pessimistisch: Die Regierung in Kiew stelle sich taub gegenüber den Forderungen, Menschenleben zu schützen, erklärte das Außenministerium in Moskau. "Wir hoffen angesichts dessen, dass die Mitgliedsstaaten der EU in angemessener Weise die kriminelle Politik der Kiewer Regierung verurteilen."

Steinmeier sagte am Rande einer Reise in die Mongolei, eine rein militärische Lösung des Konfliktes werde es nicht geben, zumal sich die Mehrzahl der Separatisten jetzt in Donezk regelrecht verschanzt habe. Er warnte die Regierung in Kiew davor, eine politische Lösung des Konflikts zu vernachlässigen. Alle Seiten seien gut beraten, die Bemühungen um eine Feuerpause als Voraussetzung für eine Verhandlungslösung fortzusetzen.

Neue Sanktionen

Die EU hat sich laut Diplomaten in der Ukraine-Krise im Grundsatz auf eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland verständigt. Bei einem Treffen auf Botschafterebene war man am Montag einig, weitere Personen mit Einreise- und Kontensperrungen zu bestrafen, verlautete am Montag aus Diplomatenkreisen in Brüssel. Die Entscheidung, wen es treffe, werde bei einem weiteren Treffen am Mittwoch gefällt. (APA, 7.7.2014)

  • Ein prorussischer Aktivist bei einem Stützpunkt nahe der ostukrainischen Stadt Donezk.
    foto: epa/str

    Ein prorussischer Aktivist bei einem Stützpunkt nahe der ostukrainischen Stadt Donezk.

  • Ein ukrainischer Soldat in der Nähe der Stadt Slawjansk.
    foto: reuters/gleb garanich

    Ein ukrainischer Soldat in der Nähe der Stadt Slawjansk.

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