Neun Tote bei Luftangriffen auf Gazastreifen

Video7. Juli 2014, 19:21
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Raketenangriffe der Hamas - Israelische Tatverdächtige gestehen Mord an Palästinenser

Gaza/Jerusalem - Nach einem immer härteren Schlagabtausch mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas bereitet sich Israels Armee auf eine größere Operation vor. 1.500 Reservesoldaten würden mobilisiert, sagte Armeesprecher Peter Lerner am Montag. Die radikalislamische Hamas hatte vorher nach heftigen israelischen Luftangriffen Rache für den Tod von neun Menschen angekündigt.

Die radikalislamische Hamas hat am Montagabend Dutzende von Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert. Erstmals seit Beginn der jüngsten Welle der Gewalt bekannte sich der bewaffnete Hamas-Arm zu den Angriffen. Nach Angaben des israelischen Fernsehens wurden binnen einer Stunde rund 60 Raketen abgefeuert.

Laut israelischem TV seien Ortschaften im Umkreis von 40 Kilometern vom Gazastreifen angegriffen worden. Auch in der Stadt Rechovot südlich von Tel Aviv heulten am Abend die Warnsirenen.

Lieberman bricht mit Netanjahu

Im Streit um das richtige Vorgehen angesichts der Eskalation der Gewalt brach Außenminister Avigdor Lieberman das Bündnis seiner Partei mit dem regierenden Likud. Seine Fraktion wolle aber in der von Regierungschef Benjamin Netanjahu geführten Koalition bleiben.

Die Nachrichtenagentur Maan berichtete am Montag, sieben der im Gazastreifen Getöteten seien Mitglieder des bewaffneten Flügels der Hamas. Sechs von ihnen seien beim Bombardement eines Tunnels im Grenzgebiet zu Ägypten ums Leben gekommen. Militärsprecher Lerner sagte dazu, die Luftwaffe habe den Eingang vor einiger Zeit beschossen. Die Hamas-Mitglieder seien aber getötet worden, als sie die Schäden inspizieren wollten. Dabei sei Sprengstoff in dem Tunnel explodiert.

"Unsere Botschaft ist, dass wir für jede Entwicklung bereit sind", sagte der Armeesprecher. Hamas sei aktiv an den jüngsten Angriffen auf Israel beteiligt. "Wir müssen uns auf eine weitere Verschlimmerung der Lage einrichten."

Geständnisse nach Mord an Jugendlichem

Nach der brutalen Ermordung eines palästinensischen Teenagers haben drei von sechs festgenommenen Israelis Geständnisse abgelegt. "Drei der sechs Verdächtigen haben die Ermordung und Verbrennung bei lebendigem Leib gestanden und die Tat vor Polizisten nachgestellt", verlautete am Montag aus Ermittlerkreisen.

Der 16-jährige Palästinenser war am vergangenen Mittwoch in Ostjerusalem verschleppt worden. Wenig später wurde seine verbrannte Leiche in einem Wald im Westteil der Stadt entdeckt. Am Sonntag in der Früh hatte die Polizei sechs junge jüdische Extremisten als Tatverdächtige festgenommen. Am Abend war der Polizeigewahrsam für sie auf fünf bis acht Tage verlängert worden, wie ihre Anwälte angaben.

Netanjahu kondoliert

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat dem Vater des ermordeten palästinensischen Jugendlichen am Montag sein Beileid ausgesprochen. Er sei "tief erschüttert von dem abscheulichen Mord" an dem 16-Jährigen, sagte Netanjahu dem Vater nach Angaben seines Büros.

"Wir sind sofort aktiv geworden, um die Mörder zu finden, und sie werden vor Gericht gestellt", sagte Netanjahu. "Wir lehnen so ein grausames Verhalten ab, und der Mord an Ihrem Sohn ist verabscheuenswürdig. Er kann von keinem menschlichen Wesen akzeptiert werden."

storyful, youtube/israeli pm
Netanjahu betont, dass alles getan werde, um den Frieden im Süden wiederherzustellen.

Parteibündnis aufgekündigt

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat unterdessen das Wahlbündnis seiner ultrarechten Partei "Israel Beitenu" (Unser Haus Israel) mit der Regierungspartei Likud aufgekündigt. Seine Fraktion wolle aber in der Koalition bleiben. Lieberman sagte am Montag vor Journalisten, Hintergrund seien "tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten" mit Ministerpräsident Netanjahu.

Lieberman hat Netanjahus Vorgehen gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas als zu zögerlich kritisiert. Seine Fraktion hatte sich kurz vor den letzten Parlamentswahlen 2013 mit der Likudpartei aus wahltaktischen Gründen zusammengeschlossen. Noch ist unklar, ob infolge der Trennung der Fraktionen Lieberman sein Amt als Außenminister räumen muss.

Mehr als 100 Festnahmen

Im Norden Israels kam es in der Nacht zum Montag zu Demonstrationen und Angriffen auf die Polizei. 110 Menschen wurden festgenommen. In Nahf und Nazareth zündeten maskierte Demonstranten Autoreifen an und errichteten Straßensperren. Bei Ausschreitungen im südisraelischen Beersheva wurden laut Polizei zwölf Menschen festgenommen. Auch Anhänger der Hamas gingen zahlreich auf die Straße.

storyful, youtube/al aqsa tv
Am 6. Juli demonstrierten Anhänger der Hamas in Rafah und forderten ein Ende der Gewalt. Das Video wurde von der Hamas veröffentlicht und zeigt die Proteste.

(APA, red, derStandard.at 7.7.2014)

  • Israel bombardierte auch am Montag den Gazastreifen.
    foto: reuters/khatib

    Israel bombardierte auch am Montag den Gazastreifen.

  • Ein Panzer der israelischen Armee am Montag in der Nähe des südlichen Gazastreifens.
    foto: reuters/baz ratner

    Ein Panzer der israelischen Armee am Montag in der Nähe des südlichen Gazastreifens.

  • Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman gab am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt, das Bündnis seiner Partei "Israel Beitenu" mit der Regierungspartei Likud aufzukündigen.
    foto: reuters/ronen zvulun

    Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman gab am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt, das Bündnis seiner Partei "Israel Beitenu" mit der Regierungspartei Likud aufzukündigen.

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