Wien: Zimmerpflanzen auf Sommerfrische

Ansichtssache7. Juli 2014, 15:28
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Die Wienerin Susanna Gruber passt auf Pflanzen und Blumen auf, wenn andere Urlaub machen

Wien - "I never promised you a rose garden - Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen". Dieser Liedtitel ist in die von Pflanzen aller Art umgebene Holzbank geschnitzt, die vor dem Haus in der Adamsgasse, Ecke Krieglergasse im dritten Wiener Gemeindebezirk steht. Die Bank gehört Susanna Gruber. Sie lebt in der Erdgeschoßwohnung, gleich neben einem alten Geschäftslokal, in dem ursprünglich Milchprodukte verkauft wurden. Noch heute prangt dort der Schriftzug "Trösch III". Das Geschäft steht jedoch seit Jahrzehnten leer.

Gruber pflegt seit 15 Jahren ein - zumindest im urbanen Bereich - ungewöhnliches Hobby: Sie gießt die Pflanzen fremder Menschen, fordert Passanten sogar auf, ihr die Blumen vorbeizubringen, während sie verreisen.

"Ich mag das Grün um mich", sagt Gruber, von Beruf Programmiererin. Sie sei auf dem Land aufgewachsen, ihr sei es wichtig, Natur um sich zu haben. Im Sommer, wenn es heiß ist, holt sie den Gartenschlauch zweimal täglich aus der Wohnung und legt mit dem Gießen los. Durch ihre Tätigkeit kommt sie auch viel mit Nachbarn ins Gespräch - die meisten sind begeistert von Grubers Hobby und erfreuen sich am grünen Fleck mitten in der Betonwüste.

Paradeiserstauden, Rosen, verschiedenste Kräuter, ja sogar Maiskolben findet man hier im dritten Bezirk. Die Pflanzen stehen auf dem Stiegenaufgang zum ehemaligen Milchgeschäft, auf den Fensterbrettern und dem Gehsteig. Einige Töpfe hat Gruber aufgehängt. Von Jahr zu Jahr werden es mehr.

Ob die Behörden irgendwann Wirbel machen werden, weil die Pflanzen den Weg verstellen? Die Angst hat Gruber nicht. Immerhin wurde sie vor einigen Jahren für ihr Projekt von der Stadt Wien ausgezeichnet. Doch als "Projekt" will sie den urbanen Garten gar nicht verstanden wissen: "Ich gieße doch nur ein paar Pflanzen." (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 7.7.2014)

foto: rwh/derstandard.at
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