Verpartnerung: "Haben eine Tochter dazubekommen" 

Reportage5. Juli 2014, 17:59
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Am Freitag traute sich das 1000. gleichgeschlechtliche Paar in Wien - für die zwei Frauen auch ein politisches Zeichen

Wien - "Für mich ist das eine Hochzeit, das Wort Verpartnerung nehme ich gar nicht in den Mund“, sagt die Mutter von Anna Palienko (25). Mit der eingetragenen Partnerschaft ihrer Tochter mit Claudia Friesinger (27) ist "ihr Küken nun flügge“ geworden, freut sich die stolze Mutter.

Seit Freitag sind Palienko und Friesinger das tausendste homosexuelle Paar, das in Wien Ja gesagt hat. In Gesellschaft der "engsten 100 Freunde und Verwandten“ trauten sie sich nach sechs Jahren Beziehung und vierjähriger Verlobung. Für die zwei Frauen ist die Verpartnerung auch ein politisches Zeichen. "Auch wenn die eingetragene Partnerschaft noch keine völlige Gleichstellung mit der Ehe bedeutet, ist sie ein erster wichtiger Schritt“, sagt Palienko. Sie hofft, dass sich das zweitausendste Paar bereits über eine Ehe für alle freuen kann. Außerdem spielt die rechtliche Absicherung eine große Rolle für sie:

Die offizielle Beziehung ist seit der Öffnung der Stiefkind-Adoption für die beiden "die einzige Möglichkeit, dass wir gesetzliche Eltern eines Kindes werden können“. Hier liegen in ihren Augen jedoch noch immer die gravierendsten Ungleichbehandlungen zur heterosexuellen Ehe. Und der Kinderwunsch ist da. "Wir können uns auch aussuchen, wer es bekommt“, meint Friesinger. Bis jetzt komplettiert die kleine Familie der gemeinsame Hund.

Stetig sinkende Zahl

Seit 2010 die eingetragene Partnerschaft eingeführt wurde, ließen sich laut Statistik Austria bis Ende 2013 österreichweit 1892 homosexuelle Paare verpartnern. Während im ersten Jahr noch die meisten eingetragenen Partnerschaften besiegelt wurden (705), sinkt die Zahl jedoch stetig. 2013 tauschten in Österreich nur noch 368 gleichgeschlechtliche Paare die Ringe. Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden 36.140 Ehen geschlossen.

Das lesbische Paar feierte am Freitag – dem beliebtesten Wochentag für eine Verpartnerung – eine sehr traditionelle Hochzeit. Mit dem Unterschied: Die beiden Frauen zogen gemeinsam in ihren Brautkleidern im Lokal in Sankt Marx ein. "Eigentlich übergibt der Vater dem neuen Mann die Braut, bei uns wäre das eigenartig gewesen“, sagt Friesinger: "Das müssten eher die Mütter machen, aber ich weiß nicht, ob sich mein Papa das hätte nehmen lassen." Dieser freut sich über die "neue Tochter“, die er bekommen hat.

Ab Samstag führen diese beiden Töchter auch einen gemeinsamen Nachnamen: Palienko-Friesinger. Obwohl mit der Namensänderung, die das homosexuelle Paar vorgenommen hat, alles offengestanden hätte. "Ich wollte ja, dass wir uns Palisinger oder Frienko nennen“, scherzt Friesinger.

Wien als Regenbogenhauptstadt

Wien liegt mit seinen 1000 Verpartnerungen unangefochten auf Platz eins: "Es ist die Regenbogenhauptstadt“, freute sich die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) im Vorfeld des kleinen Jubiläums. In Wien ist es im Gegensatz zu anderen Bundesländern möglich, sich an allen Orten, an denen auch eine Hochzeit begründet werden kann, eine Verpartnerung einzugehen. An einer dieser "Traumhochzeits-Locations“ – dem Wiener Rathaus – übergab Frauenberger dem tausendsten Paar vorab unter großem Medienrummel Brautsträuße und ihre Glückwünsche. (Oona Kroisleitner, derStandard.at, 5.7.2014)

  • Claudia (li.) und Anna Palienko-Friesinger tauschten am Freitag als 1000. gleichgeschlechtliches Paar die Ringe.
    foto: privat

    Claudia (li.) und Anna Palienko-Friesinger tauschten am Freitag als 1000. gleichgeschlechtliches Paar die Ringe.

  • Im Vorfeld der 1000. Wiener Verpartnerung gratulierte Stadträtin Sandra Frauenberger und übergab dem Paar ihre Brautsträuße.
    foto: krieger/pid

    Im Vorfeld der 1000. Wiener Verpartnerung gratulierte Stadträtin Sandra Frauenberger und übergab dem Paar ihre Brautsträuße.

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