Ex-Topreferee Meier: "WM verkommt zu einem Treter-Festival"

5. Juli 2014, 14:21
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Schweizer kritisiert die FIFA scharf und gibt ihr eine Mitschuld an der Verletzung Neymars

Berlin - Das WM-Aus von Brasiliens Starstürmer Neymar hat eine weltweite Welle der Empörung über die laschen Auftritte der Schiedsrichter bei der Endrunde in Brasilien ausgelöst. Selbst der frühere Top-Referee Urs Meier schloss sich den Kritikern an. Der Schweizer gab dem Fußball-Weltverband eine Mitschuld an der Verletzung.

"Das hat die FIFA mitzuverantworten", schrieb Meier in einem Gastbeitrag für Focus Online. "Der Fußball bei dieser WM ist viel zu physisch und körperbetont, die Messlatte für Gelbe Karten viel zu hoch angesetzt worden. Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert - die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche", schimpfte Meier.

54 Fouls, vier Gelbe

Im Viertelfinale zwischen dem WM-Gastgeber und Kolumbien (2:1) am Freitagabend gab es mit 54 Fouls, so viele wie zuvor nicht bei dieser WM - aber nur vier Gelbe Karten. "Das passt zum Stil bei dieser WM. Man toleriert wahnsinnig viel. Da braucht sich niemand wundern, dass es Verletzte gibt. Das wird in Kauf genommen", kritisierte Meier. Das Foul an Neymar wurde sogar gar nicht geahndet.

"Treter-Festival"

Meier hält der FIFA vor, die Spieler zu gefährden, um spektakuläre und kampfbetonte Spiele bieten zu können. "Der Ball wird zur Nebensache. Die WM verkommt zu einem Treter-Festival", stellte er fest. Besonders betroffen seien Techniker wie Neymar oder auch Mesut Özil. Sie würden darunter leiden, "dass sie ständig auf die Socken kriegen. Sie können sich gar nicht richtig entfalten, weil sie bei jeder Gelegenheit umgetreten werden."

Die Kritik wird durch die WM-Statistik gestützt. Verteilten die Unparteiischen bei der WM 2010 in Südafrika noch 245 Gelbe Karten, waren es bei dieser Endrunde bis zum Freitagabend lediglich 159. (APA, 5.7.2014)

  • Der Schweizer Urs Meier war bei der Euro 2004 in Portugal noch selbst im Einsatz und zeigte damals nicht nur dem Italiener Gianluca Zambrotta Gelb.
    foto: ap/ michael probst

    Der Schweizer Urs Meier war bei der Euro 2004 in Portugal noch selbst im Einsatz und zeigte damals nicht nur dem Italiener Gianluca Zambrotta Gelb.

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