Neuer DFB- Leithammel und zuversichtlicher englischer Experte

5. Juli 2014, 12:51
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Hummels avanciert gegen Frankreich zur Führungsfigur des DFB-Teams - Lineker traut Deutschland einiges zu

Rio de Janeiro - Deutschland ist bei der Fußball-WM in Brasilien weiterhin nicht aufzuhalten. Dank eines 1:0-Erfolgs gegen ratlose Franzosen rückt der erste deutsche Titelgewinn seit Italien 1990 näher. Am Dienstag wartet im Halbfinale der nach dem Ausfall von Superstar Neymar geschockte Gastgeber Brasilien. Die Ausgangslage scheint für Deutschland verheißungsvoll.

Beachtliche Serie

Der dreifache Weltmeister verlängerte im Maracana von Rio eine imposante Serie: Bereits 2002 in Japan/Südkorea, 2006 in der Heimat und 2010 in Südafrika war die DFB-Auswahl im Halbfinale dabei, nun wiederholt sie das Kunststück auch in Südamerika. Eine derartige Konstanz auf höchstem Level ist beispiellos. Als erste Fußball-Nation ist Deutschland damit viermal in Serie bis in die Vorschlussrunde vorgestoßen.

"Das ist schon eine großartige Leistung", kommentierte Joachim Löw nach dem 75. Sieg seiner Amtszeit knapp. "Ich brauche nicht mehr um Platz drei zu spielen - definitiv. Wir haben jetzt auch schon in der Kabine gesagt: Toll, wir sind wieder im Halbfinale, das war unser großes Ziel, wieder da zu stehen. Aber man will mehr, definitiv", erklärte Kapitän Philipp Lahm.

Deutschlands Halbfinaleinzug fühlte sich ziemlich unspektakulär an. Nach dem Führungstor von Mats Hummels in der 13. Minute hielt sich der Unterhaltungswert der Partie in Grenzen. In Rios Mittagshitze überzeugte die Löw-Elf durch Organisation und taktische Disziplin.

"Man of the Match"

Ausgelaugt, aber überglücklich war Matchwinner Hummels nach der Partie. "Ich war völlig platt und musste nach dem Spiel Wasser ohne Ende nachschütten", sagte Hummels, als er die Trophäe für den "Man of the Match" entgegennahm. Eine Auszeichnung, die sich der 25 Jahre alte Abwehrspieler von Borussia Dortmund redlich verdient hatte. Denn nicht zuletzt hatte er Torjäger Karim Benzema den Zahn gezogen, der zuvor die meisten Torschüsse in diesem Turnier abgegeben hatte.

Zudem bewies Hummels auch mit seinem Auftreten erneut, dass er nicht nur in der Hintermannschaft der neue Chef im Ring ist. Nachdem er das Achtelfinale gegen Algerien wegen einer fiebrigen Erkältung verpasst hatte, wurde nun deutlich: Nicht Kapitän Lahm, nicht Champions-League-Sieger Sami Khedira und auch nicht Bastian Schweinsteiger oder Mesut Özil sind bei der WM in Brasilien die tragenden Säulen des DFB-Teams.

DFB-Säulen

Dafür haben sich der viermalige Torschütze Thomas Müller, der neue Titan Manuel Neuer und eben Hummels durch ihre Leistungen in die Chefrolle gedrängt. "Er hat überragend gespielt und dann trifft er auch noch. Das war eine ganz starke Vorstellung", lobte Abwehrkollege Per Mertesacker und erkannte damit die herausragende Leistung seines Kontrahenten neidlos an. Er selbst war diesmal nur Zuschauer.

Lineker hat Deutschland auf der Rechnung

Englands Ex-Nationalstürmer und TV-Experte Gary Lineker traut der deutschen Nationalmannschaft nun den ganz großen Wurf zu. "Sie könnten es packen. Sie haben das gewisse Etwas", sagte der 53-Jährige.

Er habe bei diesem Turnier nicht die eine überragende Mannschaft gesehen, doch "die Deutschen mit ihrer Siegermentalität, dieser unglaublichen mentalen Stärke, finden einfach einen Weg zum Sieg", sagte Lineker: "Sie lassen sich vom Druck nicht beeinflussen. Wenn es um Fußball geht, sind sie ohne Frage Gewinner."

Es sei immer so: Grundsätzlich seien stets Schwächen im deutschen Spiel zu erkennen. Aber wenn es darauf ankomme, "verstecken sie sie und kommen trotzdem durch", sagte der 80-malige Teamspieler der "Three Lions".

Matthäus erwartet "offenes Spiel"

Deutschlands Rekord-Teamspieler Lothar Matthäus erwartet ein "offenes Spiel" im Halbfinale gegen den Gastgeber - mit Vorteilen für die DFB-Auswahl. "Bisher zeichnet Brasilien nur die erste Halbzeit des Kolumbien-Spiels aus. Sonst habe ich nicht viel gesehen - außer vielleicht der Euphorie hier im Land", sagte der 53-Jährige dem TV-Sender Sky Sport News HD: "Ansonsten müssen wir vor dieser Mannschaft keine Angst haben." Dass Brasilien ohne den verletzten Superstar Neymar auskommen muss, sei gut für Deutschland, aber schlecht für den Fußball: "Er ist einer, der herausragt", so Matthäus. (sid/APA/red, 5.7.2014)

  • Der Treffer, der für Deutschland die Tür ins Halbfinale öffnete.
    foto: epa/thomas eisenhuth

    Der Treffer, der für Deutschland die Tür ins Halbfinale öffnete.

  • Überragender Akteur im Spiel gegen Frankreich: Mats Hummels (li).
    foto: ap/ martin meissner

    Überragender Akteur im Spiel gegen Frankreich: Mats Hummels (li).

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