Brasilien wälzt seinen Stein weiter bergauf

5. Juli 2014, 00:23
268 Postings

Die Gastgeber lassen in einer intensiven Partie das Überraschungsteam Kolumbien mit 2:1 hinter sich und treffen im Halbfinalkracher auf Deutschland

Fortaleza - Paulinho statt des gesperrten Luiz Gustavo als Sechser und Routinier Maicon statt Dani Alves auf der rechten Abwehrseite - Luiz Felipe Scolari hatte für das Duell gegen die ebenfalls an zwei Positionen veränderten, hochgelobten Kolumbianer doch Korrekturbedarf erkannt. Und die Seleção, die wegen heftiger Kritik nach dem glücklichen Achtelfinal-Überleben gegen Chile sogar psychologischer Betreuung bedurft hatte, nahm sich mit einem Blitzstart einige Zentner der tonnenschwere Last von der Schulter. Nach einem Eckball von Neymar konzentrierten sich die Cafeteros von Coach José Pékerman allzusehr auf den aufgerückten David Luiz. Carlos Sanchez, neu im Team, verlor dafür Thiago Silva völlig aus den Augen, und der besonders heftig gescholtene Kapitän netzte mit dem Knie - das Estádio Castelão in Fortaleza, durch 60.000 Besucher voll besetzt, schien zu explodieren (7.)

Innenverteidiger netzt

Thiago Silva war es dann auch, der wenig später bei der ersten Chance für die durchaus nicht geschockten Kolumbianer dem Ball nach Schuss von Juan Cuadrado jenes Alzerl an Ablenkung gab, das Brazuca noch am Tor von Júlio César vorbeistreichen ließ (11.). Brasilien blieb allerdings dominant, versuchte den Gegner, versuchte vor allem James Rodríguez, möglichst vom Strafraum fern zu halten. Vorzugsweise durch Offensivaktionen. So hätte Hulk nach Doppelpass mit Neymar tatsächlich erhöhen müssen, scheiterte aber an Goalie David "die Wand" Ospina (20.).

Die Partie nahm ziemlich ungezügelt ihren Verlauf, der spanische Referee Carlos Velasco Carballo tat wenig gegen die Hektik, leistete ihr mit Fehlern sogar Vorschub. Besonders Fernandinhos wiederholte, zumeist ungeahndete Attacken gegen James Rodríguez sorgten für böses Blut.

Zur Pause führte Brasilien auch nach Fouls - mit 20:14. Pékerman erfrischte seine Offensive durch Adrián Ramos statt Segundo Ibarbo. Den Charakter der Partie änderte das nicht, sie wurde nur noch südamerikanischer - minus Esprit. Die erste Gelbe zückte Carballo erst nach 65 Minuten, sie traf nach einer dummen Unsportlichkeit gegen Torhüter Ospina den schon vorbelasteten Thiago Silva. Scolari wirkte verzweifelt, wurde aber getröstet, weil ein Treffer der Kolumbianer, den deren aufgerückter Kapitän Mario Yepes aus einem Gestocher erzielt hatte, wegen angeblich vorhergehendem Abseits nicht zählte. In Jubel brach der Trainer aus, als David Luiz einen Freistoß aus rund 30 Metern knapp an Ospinas verspätet ausgefahrener Hand vorbei versenkte - 2:0 durch den zweiten Innenverteidiger (69.).

Der brasilianische Hut brennt kurz

Erledigt war die Sache deshalb nicht. Zehn Minuten vor Schluss säbelte Júlio César den eingewechselten und gleich perfekt freigespielten Carlos Bacca im Strafraum um. Den fälligen Elfmeter verwertete James Rodríguez eiskalt zu seinem sechsten Turniertreffer (80.).

Da brannte er plötzlich, der brasilianische Hut. Nachdem ihm Camilo Zúñiga das Knie in den Rücken gerammt hatte, musste zudem Neymar vom Platz getragen werden. Der Jubel nach dem Schlusspfiff verdrängte kurz die Sorgen um den Superstar. (lü, DER STANDARD, 05./06.07.2014)

Brasilien - Kolumbien 2:1 (1:0). Fortaleza, Estadio Castelao, 60.000, SR Velasco (ESP).

Tore: 1:0 ( 7.) Thiago Silva

2:0 (69.) David Luiz (Freistoß)

2:1 (80.) J. Rodriguez (Elfmeter)

Brasilien: Julio Cesar - Maicon, Thiago Silva, David Luiz, Marcelo - Fernandinho, Paulinho (86. Hernanes) - Oscar, Neymar (88. Henrique), Hulk (83. Ramires) - Fred

Kolumbien: Ospina - Zuniga, Zapata, Yepes, Armero - Cuadrado (80. Quintero), Guarin, Sanchez, Ibarbo (46. Ramos) - T. Gutierrez (70. Bacca), J. Rodriguez

Gelbe Karten: Thiago Silva (im nächsten Spiel gesperrt), Julio Cesar bzw. J. Rodriguez, Yepes

  • Einfach einmal jubeln.
    ap/pisarenko

    Einfach einmal jubeln.

  • Einfach einmal weinen.
    foto: apa/epa/dozhenko

    Einfach einmal weinen.

Share if you care.