Deutscher Halbfinaleinzug mit Ärmelschonern

4. Juli 2014, 20:05
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Ein frühes Kopftor gegen Frankreich reichte Deutschland zum durchaus unbestrittenen Einzug ins Halbfinale. Frankreich wollte zwar, konnte aber den Deutschen nicht wirklich Paroli bieten

Rio de Janeiro / Marz – Es ist – auch wenn Fußball ist – so, dass drunt im Burgenland zuweilen immer noch ein Bauernhaus steht. Und drin wohnt, jawohl, ein Mägdelein, und dieses soll, tschuldigung schon, „mein Eigen sein“.

So ein Lied zieht weite Kreise. Am Samstag wird deshalb sogar ein Mannheimer im Burgenland der schönen Burgenänderin ein weitreichendes Jawort geben. Am Freitag allerdings war – wer wüsste das besser als die schöne Burgenländerin aus „bei Mattersburg“?– anderes vorrangig für die ganze Hochzeitsgesellschaft, die da angereist ist aus Kurpfalz und Umgebung. Der Hotelier schaltete also seinen Flatscreen an, und keine Viertelstunde nach Anpfiff – üppige pannonische Küche stand da noch frisch und unangerührt auf den Tellern – wurde von halb links eine Freistoßflanke gekroost, die Mats Hummels per Kopf zum 1:0 verlängerte.

Das war‘s dann auch in Rio. Deutschland hat Frankreich, das sich so viele Hoffnungen gemacht hat, nicht hinausgeschossen aus dem Maracana. Hinausgeschubst schon. Deutschland war, das hatte man durchaus absehen können, schlicht besser auf jeder Position. Benzema: eh. Griezmann: tausend Rosen. Aber in einem WM-Viertelfinale zählen andere Eigenschaften, wie ein in sich zufriedener Joachim Löw in die Stenoblöcke diktierte: „Die Mannschaft steigert sich von Spiel zu Spiel, sie ist konzentriert und fokussiert, arbeitet sehr gut.“

Löw ist zuvor ja einigermaßen gewatscht worden durch die Medien zwischen Rosenheim und Kiel. Gegen Frankreich, so verstand es so manch Siebeng’scheiter, hat er sich die Kritik zu Herzen und den Philipp Lahm aus dem Zentrum an den gewohnten rechten Flügel genommen. Aber, so Löw: „Wenn ich das Gefühl habe, dass ich einen Reiz setzen muss, mache ich das.“ Der Reiz war Lahm rechts hinten, Schweinsteiger und Khedira sechserten, Özil versuchte sich links vor Höwedes. Und die ganze Hochzeitsgesellschaft aus Kurpfalz rief empört: „Über links geht gar nix!“

Das Garnix allerdings reichte. Die zweite Halbzeit gehörte in weiten Räumen durchaus den Franzosen. Aber die paar Mal, die sie aufs Tor schossen, stand dort dieser Manuel Neuer, der diesmal keinen Libero gab.

Frankreichs Coach Didier Des-champs, Weltmeister 1998, zieht den Hut: „Sie hatten mehr Erfahrung und haben ihre Führung sehr gut verteidigt. Wir haben alles versucht. Es ist frustrierend, aber wir haben auch kein einfaches Spiel erwartet. Uns hat ein wenig die Präzision gefehlt. Der Gegner hatte höchste Qualität. So groß war der Unterschied zwischen beiden Teams nicht, aber sie haben gewonnen.“ Tatsächlich tümpelte das Spiel nach der Führung in der 13. Minute dahin. Frankreich fand kein Rezept, Deutschland hatte seines schon eingelöst. Das 2:0, so Kapitän Lahm, „hätten wir machen müssen“. Ähnlich dachte Karim Benzema vom 1:1. Dazu fehlte weniger der Wille als die Kraft. „Beide Teams“, so Lahm, „haben taktisch gut gestanden.“

Haben gestanden! Die schöne Burgenländerin muss sich diesbezüglich auf einiges gefasst machen. (sid, wei, DER STANDARD, 4.7.2014)

Frankreich - Deutschland 0:1 (0:1). Rio de Janeiro, Maracana-Stadion, 72.000, SR Pitana (ARG).

Tor: 0:1 (13.) Hummels

Frankreich: Lloris - Debuchy, Varane, Sakho (71. Koscielny), Evra - Pogba, Cabaye (73. Remy), Matuidi - Valbuena (85. Giroud), Benzema, Griezmann

Deutschland: Neuer - Lahm, Boateng, Hummels, Höwedes - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Kroos (92. Kramer), Özil (84. Götze) - Klose (69. Schürrle)

Gelbe Karten: Keine bzw. Schweinsteiger, Khedira

  • Reicht leicht.
    foto: ap/stavrakis

    Reicht leicht.

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