Verteidigeralbtraum gegen König der Haxlsteller 

4. Juli 2014, 18:40
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Costa Rica, die Sensationsmannschaft der Endrunde, plant den nächsten Coup. Gegen die Niederlande mit dem entfesselten Arjen Robben sind die taktische Weisheit des Trainers und der Wille seiner Spieler aber besonders gefordert

Salvador - Sie rümpften die Nase, sahen peinlich berührt zu Boden, ja der eine oder andere lachte sogar, als Jorge Luis Pinto nach dem Einzug ins Achtelfinale prophezeite, dass Costa Rica bei der WM "noch drei, vier Matches haben" werde. "Ihr werdet sehen", sagte der 61-jährige Kolumbianer, der die Ticos seit 2011 betreut.

Eineinhalb Wochen und zwei glanzvolle Auftritte später ist der anfänglichen Skepsis längst Bewunderung gewichen. Debütant Pinto hat Wort gehalten. Nach dem wundersamen Triumphzug bis ins Viertelfinale wird den karibischen Außenseitern sogar der nächste Coup zugetraut - gegen die Stars der Elftal von Bondscoach Louis van Gaal.

Von den Italienern

Pintos Anteil am Erfolg ist nicht kleiner als jener van Gaals am Erfolg der Niederländer. Ob Italien, Uruguay, England oder Griechenland - alle verzweifelten am äußerst flexiblen 5-4-1-System von Costa Rica. Und wenn doch etwas auf das Tor kam, war auf Torhüter Keylor Navas Verlass, auf den Teamkollegen von Andreas Ivanschitz bei Levante.

"Unsere Taktik mit einer stabilen Defensive scheint die Gegner zu überraschen", sagte Pinto, der vor allem bei den Italienern viel abgeschaut hat. Jetzt sollen Arjen Robben und Kollegen gestoppt werden. "Wir freuen uns auf dieses Spiel." Seine Mannschaft sei "voller Zuversicht", noch einen weiteren Schritt machen zu können. "Wir respektieren die Niederlande, haben aber den absoluten Willen und den Wunsch zu gewinnen."

Pinto, nur 1,65 Meter hoch, muss allerdings darauf achten, sich selbst im Griff zu behalten. Dem Mann, den sie wegen seiner Aussetzer und in Anlehnung an sein Vorbild José Mourinho "The Explosive One" nennen, wäre im Achtelfinale gegen Griechenland beinahe Unverzeihliches passiert. Beim Stand von 1:0 hatte er versucht, dem Griechen Sokratis Papastathopoulos an der Seitenlinie ein Bein zu stellen. Im letzten Moment zog Pinto zurück.

Fester im Sattel

Bei allem Respekt fürchten die Niederländer nicht, zu straucheln. "Wir haben einen starken Glauben an uns selbst", sagte Wesley Sneijder, mit nunmehr 15 Einsätzen WM-Rekordspieler seines Landes. "Auch wenn wir vor einer Niederlage stehen, lassen wir uns nicht hängen."

Sneijder ist Teil der, bei der WM, mit bisher zwölf Toren erfolgreichsten Offensive. In der Abwehr präsentierte sich die Elftal aber nicht immer sattelfest. Gerade Mannschaften mit vermeintlich schwächeren Offensivreihen wie Australien und Mexiko vermochten das aufzuzeigen, gegen die Mexikaner offenbarte zudem auch Torhüter Jaspar Cillessen einige Unsicherheiten. Jetzt muss van Gaal noch dazu Nigel de Jong in der Schaltstelle im defensiven Mittelfeld ersetzen.

"Wir müssen voll fokussiert sein, wenn wir gewinnen wollen", schwante Bayerns Star Robben vor dem Match gegen die Mittelamerikaner. Der dreifache Torschütze, von vielen Experten als bisher bester Spieler des Turniers gepriesen, ist auch Pintos größte Sorge: "Er ist ein Verteidigeralbtraum." (sid, red, DER STANDARD, 05./06.07.2014)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen:

Niederlande - Costa Rica (Samstag, 22.00 Uhr MESZ, Salvador da Bahia, Arena Fonte Nova, SR Rawschan Irmatow/UZB)

Niederlande: 1 Cillessen - 7 Janmaat, 2 Vlaar, 3 De Vrij, 4 Martins Indi, 15 Kuyt - 8 De Guzman, 10 Sneijder, 5 Blind - 11 Robben, 9 Van Persie

Ersatz: 22 Vorm, 23 Krul - 12 Verhaegh, 13 Veltman, 14 Kongolo, 16 Clasie, 20 Wijnaldum, 21 Depay, 17 Lens, 19 Huntelaar

Es fehlt: 6 De Jong (Leistenverletzung), 18 Fer (Muskelfaserriss im Oberschenkel)

Teamchef: Louis van Gaal

Costa Rica: 1 Navas - 16 Gamboa, 2 Acosta, 4 Umana, 3 Gonzalez, 15 Diaz - 17 Tejeda, 5 Borges - 7 Bolanos, 10 Ruiz - 9 Campbell

Ersatz: 18 Pemberton, 23 Cambronero - 8 Mora, 12 Francis, 13 Granados, 20 Calvo, 22 Cubero, 14 Brenes, 11 Barrantes, 21 Urena

Es fehlt: 6 Duarte (gesperrt nach Roter Karte), 19 Miller (Oberschenkelzerrung)

Teamchef: Jorge Luis Pinto (COL)

  • Keylor Navas legt sich quer, wenn Costa Rica in Gefahr gerät, ein Tor zu  bekommen. Der 27-Jährige von Levante gilt jetzt schon als eine der  heißesten Aktien der WM.
    foto: apa/epa/koesterling

    Keylor Navas legt sich quer, wenn Costa Rica in Gefahr gerät, ein Tor zu bekommen. Der 27-Jährige von Levante gilt jetzt schon als eine der heißesten Aktien der WM.

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