Banken in Osteuropa: Späte Rechnung

Kommentar4. Juli 2014, 18:20
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Nicht die Oststrategie war falsch, sondern die Umsetzung

Die lange als Heldengeschichte verkaufte Story über die Ostexpansion der heimischen Banken hat endgültig eine unschöne Wendung genommen. Die Erste Bank erwartet einen Jahresverlust von bis zu 1,6 Milliarden Euro wegen hoher Kosten in Ungarn und Rumänien. Der Bank Austria geht es nicht besser, sie hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,6 Milliarden Euro versenkt; die Raiffeisen-Bilanz im Osten rettet allein das gute Russlandgeschäft.

Dabei war nicht die Oststrategie falsch, sondern ihre Umsetzung. Die Banken expandierten zu schnell und scherten sich nicht um Risiken. Kunden waren wie Melkkühe. Bestes Beispiel dafür ist ein heimischer Exportschlager, die Fremdwährungskredite. Sie wurden Bürgern im Osten in der Partyära (2000 bis 2007) geradezu nachgeworfen. Es zählte allein, ob die Gebühreneinnahmen sprudelten.

Das rächt sich nun. Die Zahl der faulen Kredite ist hoch, und wegen der Stresstests der Europäischen Zentralbank lassen sich Verluste nicht mehr verstecken. Hinzu kommt der Sonderfall Ungarn, wo die Banken wegen Ungereimtheiten in Verträgen zu Nachzahlungen verdonnert werden.

Aber nicht nur die Banken werden in den kommenden Monaten ins Schwitzen geraten, auch für die Republik steht viel auf dem Spiel. Die heimischen Institute haben im Osten Fremdwährungsdarlehen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro ausstehen. Österreichs Wohl hängt viel zu sehr am Devisenkurs von Forint, Leu, Zloty und Co. (András Szigetvari, DER STANDARD, 5.7.2014)

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