Im Kollektiv gegen Messi 

4. Juli 2014, 18:10
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Belgien stellt im Viertelfinale gegen Argentinien keinen Sonderbewacher für Lionel Messi ab, setzt auf eine starke Teamleistung. Dabei hat vor 28 Jahren schon einmal ein Einzelkönner aus Argentinien Belgiens WM-Träume beendet

Brasília - 25. Juni 1986, WM-Halbfinale, Mexiko-Stadt. Auf der einen Seite elf wackere Belgier. Auf der anderen zehn wackere Argentinier - und: Diego Armando Maradona. Zwei Tore fielen, zwei erzielte der Superstar der Albiceleste, beide per Fuß. Die Hand Gottes hatte zuvor zum Halbfinaleinzug verholfen.

5. Juli 2014, WM-Viertelfinale, Brasília. Auf der einen Seite elf wackere Belgier, auf der anderen zehn wackere Argentinier - und: Lionel Messi. Nicht auszuschließen, dass der aktuelle Superstar der Albiceleste wieder den Unterschied ausmachen wird, wie schon zuvor bei dieser WM gesehen. Einen Sonderbewacher für Messi will Belgiens Teamchef Marc Wilmots nicht abstellen. "Gegen individuelle Klasse hilft das Kollektiv." Messi sei ein außergewöhnlicher Spieler. "Wenn er in guter Form ist, wird er uns sicher vor Probleme stellen. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich immer ein starkes Kollektiv wählen."

Die Könner im Kollektiv

Aus dem starken Kollektiv stechen durchaus einige echte Könner hervor. Zum Beispiel Eden Hazard. "Er ist noch kein Messi, aber er ist auf dem richtigen Weg und kann sicher einmal Weltfußballer werden." Daniel van Buyten, 36-jähriger Abwehrroutinier, streut seinem 23-jährigen Kollegen Rosen. Kevin de Bruyne, Romelu Lukaku oder Kapitän Vincent Kompany werden ebenfalls hochgelobt, keiner von ihnen wolle aber der Star sein, wie Belgiens Torhüter-Legende Jean-Marie Pfaff hervorhebt.

Das starke Kollektiv spricht tatsächlich für die Belgier, während bei Argentinien, so Wilmots, die Balance fehle. Die Albiceleste fiel bisher nicht durch extrem kreative Spielweise auf, tat sich vor allem gegen defensiv agierende Teams wie den Iran (1:0) schwer. Da war es eben Messi, der seine Landsleute kurz vor Schluss erlöste. Im Achtelfinale gegen die Schweiz (1:0) plagte man sich nicht minder. Diesmal war Ángel di María, auch ein großer Könner vor dem Herrn, kurz vor Ende der Verlängerung der Heilsbringer.

Sorgen bereitet den Argentiniern die Ineffizienz des Mittelstürmers Gonzalo Higuaín. Im laufenden Turnier hat er noch kein Tor erzielt. Davor traf er in 36 Länderspieleinsätzen 21-mal. Dazu fehlt im Viertelfinale der zuletzt starke Linksverteidiger Marcos Rojo wegen einer Gelbsperre. José Basanta dürfte ihn ersetzen, auch Routinier Martin Demichelis ist eine Option. Für Sergio Aguero scheint ein Einsatz von Beginn an nach seiner Muskelverletzung im Oberschenkel noch zu früh zu kommen.

Erstes Ziel Halbfinale

"Das erste Ziel ist das Halbfinale. Alles, was danach kommt, ist eine andere Geschichte", sagte Mittelfeldspieler Javier Mascherano. Seit 24 Jahren haben die Argentinier nicht mehr die Vorschlussrunde bei einer WM erreicht. Mascherano: "Das ist eines der wichtigsten Spiele der vergangenen Jahre für unser Land."

Ähnliches gilt für die Belgier, die zum zweiten Mal nach 1986 den Halbfinaleinzug schaffen könnten. Am Willen scheitert's nicht. Van Buyten: "Wir wollen alles geben, damit das kleine Land weiterkommt." Und Wilmots findet: "Viertelfinale ist gut und schön, aber wenn du im Viertelfinale bist, musst du auch die große Vision haben." Das Ziel sei es, weiter im Turnier zu bleiben und "das Bestmögliche zu erreichen".

Jean-Marie Pfaff traut seinen Landsleuten nicht nur bei der WM viel zu. "Die Mannschaft ist sehr stark. Ich glaube, Belgien ist für 20, 30 Jahre oben mit dabei." Vorerst aber denkt auch der 60-Jährige an das bevorstehende Spiel. "Ich bin sicher, dass sie gegen Argentinien zu 200 Prozent motiviert sind. Wenn sie gegen Messi spielen, wollen sie zeigen, dass sie besonders gut sind."

Am 25. Juni 1986 zeigte Pfaff im Tor der Belgier auch eine gute Leistung. Gegen Diego Armando Maradona war er freilich machtlos. (sid, APA, rie, DER STANDARD, 05./06.07.2014)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen:

Argentinien - Belgien (18.00 Uhr MESZ, Brasilia, Estadio Nacional Mane Garrincha, SR Nicola Rizzoli/ITA)

Argentinien: 1 Romero - 4 Zabaleta, 17 F. Fernandez, 2 Garay, 23 Basanta - 5 Gago, 14 Mascherano, 7 Di Maria - 10 Messi, 9 Higuain, 22 Lavezzi

Ersatz: 12 Orion, 21 Andujar - 3 Campagnaro, 15 Demichelis, 6 Biglia, 8 Perez, 11 Maxi Rodriguez, 19 Ricky Alvarez, 13 A. Fernandez, 18 Palacio, 20 Aguero

Es fehlt: 16 Rojo (gesperrt)

Fraglich: 20 Aguero (nach Muskelverletzung im Oberschenkel)

Teamchef: Alejandro Sabella

Belgien: 1 Courtois - 2 Alderweireld, 15 Van Buyten, 4 Kompany, 5 Vertonghen - 6 Witsel, 8 Fellaini - 14 Mertens, 7 De Bruyne, 10 Hazard - 9 Lukaku

Ersatz: 12 Mignolet, 13 Bossut - 3 Vermaelen, 23 Ciman, 16 Defour, 18 Lombaerts, 19 Dembele, 22 Chadli, 11 Mirallas, 17 Origi, 20 Januzaj

Es fehlt: 21 Vanden Borre (Wadenbeinbruch)

Fraglich: 19 Dembele (Oberschenkelprobleme)

Teamchef: Marc Wilmots

  • Argentinien hat nicht nur Lionel Messi, Argentinien hat auch Ángel di María.
    foto: apa/epa/klaunzer

    Argentinien hat nicht nur Lionel Messi, Argentinien hat auch Ángel di María.

  • Belgien hat nicht nur Eden Hazard, Belgien hat auch Romelu Lukaku.
    foto: apa/epa/guillaume horcajuelo

    Belgien hat nicht nur Eden Hazard, Belgien hat auch Romelu Lukaku.

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