Amelia Earhart folgt einer verschollenen Namensvetterin

4. Juli 2014, 21:50
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Die zweite Weltreise einer US-Flugpionierin

Im Jahr 1937 schickte sich Amelia Earhart an, als erste Pilotin den Äquator zu umrunden - und verschwand nach drei Vierteln der Strecke spurlos im Pazifik. Dieser Tage, knapp 80 Jahre später, setzt sie ihre Weltumrundung fort: Über 100 Flugstunden, 17 Zwischenstopps und 45.000 Kilometer wird sie dafür zurücklegen. Derzeit umkurvt die einmotorige Propellermaschine die indische Halbinsel. In einer Woche will sie wieder in Colorado landen.

Zugegeben: Es handelt sich lediglich um eine Namensvetterin, nicht mal verwandt sind die beiden - auch wenn die junge Amelia, eine ehemalige Fernsehjournalistin des Nachrichtensenders NBC aus Denver, nahezu ihr gesamtes Leben davon ausging. 2013 heuerte die 31-Jährige schließlich einen Familienforscher an, der jedoch keine Verwandtschaft der beiden feststellen konnte. Im Gegensatz zu ihrem gleichnamigen Vorbild ist die junge Amelia eine Spätberufene: Erst mit 21 nahm sie ihre erste Flugstunde, nur zehn Jahre später will sie nun die Äquatorumrundung der US-Flugpionierin und Frauenrechtlerin vollenden.

Wenig übrig

Optisch könnten sich die beiden übrigens kaum stärker unterscheiden: Der burschikose Bubi-Look von einst ist einer blondierten Mähne gewichen, und statt lederner Pilotenjacke lässt sich die junge Amelia am liebsten im knappen Sommerkleid vor ihrer Pilatus PC-12 ablichten. Vom feministischen Ethos scheint wenig übriggeblieben.

Genau dieses zeichnete jedoch ihr großes Vorbild aus: Schon als Jugendliche sammelte Earhart Zeitungsartikel über Frauen in Männerberufen, später legte sie sich mit ihren Professoren an der Columbia-Universität an. Und einer Heirat stimmte sie erst zu, nachdem sie auf eine offene Ehe gepocht hatte, die nicht "an mittelalterliche Regeln der Treue gefesselt" sein sollte.

Noch 2012 brachen Forscher zur Pazifikinsel Kiribati auf, um das mysteriöse Verschwinden Earharts endgültig zu klären. Dort verriet eine sichtlich gerührte Hillary Clinton, wie Amelia Earhart sie einst anspornte, zum beruflichen Überflieger zu werden: Als 13-Jährige schrieb sie die Nasa an, wie man Astronautin werden könne. Die ernüchternde Antwort folgte prompt: Weibliche Astronauten? Gibt es nicht.

Dass Amelia Earhart nun bei ihrer zweiten Weltreise erneut verschwindet, ist jedenfalls ausgeschlossen: Via Live-Tracking, Facebook und Twitter kann die ganze Welt in Echtzeit daran teilnehmen: eine echte Weltumrundung 2.0 quasi. (Fabian Kretschmer, DER STANDARD, 4.7.2014)

  • Amelia Earhart folgt einer verschollenen Namensvetterin
    foto: privat/facebook

    Amelia Earhart folgt einer verschollenen Namensvetterin

  • Das Vorbild: Flugpionierin und Frauenrechtlerin
    foto: ap

    Das Vorbild: Flugpionierin und Frauenrechtlerin

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