Seoul und Peking besorgt wegen neuer Rolle des japanischen Militärs

4. Juli 2014, 16:23
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Mangelnde Aufarbeitung der Kriegsverbrechen vorgeworfen

Seoul/Tokio/Peking - Chinas Staatschef Xi Jinping und Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye sind nach südkoreanischen Angaben besorgt über die geplante größere Rolle für das japanische Militär. Vor dem Hintergrund der japanischen Kriegsvergangenheit hätten sie sich beunruhigt gezeigt, "dass Japan weiter die Geschichte neuschreiben will, während es sogar danach strebt, sein Recht auf Selbstverteidigung zu erweitern".

Das sagte Parks außenpolitischer Sekretär Ju Chul Ki am Freitag der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge. Die Regierung in Tokio hatte diese Woche beschlossen, dass Japans Streitkräfte künftig den USA und anderen Verbündeten bei einem Angriff militärisch beistehen dürfen. In dem Beschluss ist von einem Recht auf "kollektive Selbstverteidigung" die Rede. China liegt mit Japan in einem erbitterten Streit um unbewohnte Inseln. Es hatte gefordert, Japan müsse die Sicherheitsinteressen seiner Nachbarn achten. Ähnlich äußerte sich Südkoreas Regierung. Im Bewusstsein vieler Koreaner sitzt die Schmach der japanischen Kolonialherrschaft (1910-45) noch immer sehr tief.

"Barbarische Kriege"

In einer Rede vor Studenten in Seoul erinnerte Chinas Staats- und Parteichef an seinem zweiten und letzten Besuchstag an die Brutalität der japanischen Armee vor und während des Zweiten Weltkriegs in Nordostasien. Die Menschen in China und Südkorea hätten dadurch gleichermaßen großes Leid erlitten, sagte Xi Jinping. Japans Militaristen hätten "barbarische Kriege der Invasion" geführt.

Xi sprach sich dafür aus, dass Südkorea und China kommendes Jahr gemeinsam an den 70. Jahrestag der Befreiung der koreanischen Halbinsel und das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern.

Xi ist der erste chinesische Präsident, der seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Seoul und Peking 1992 zuerst nach Süd- und nicht nach Nordkorea gereist. Durch den Schritt könnte sich das kommunistische Regime in Pjöngjang nach Meinung von Beobachtern düpiert fühlen.

Xi und Park hatten am Donnerstag mit Blick auf Nordkorea bekräftigt, dass sie keine Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel dulden wollen. Mit Xi sei sie sich einig, dass die Denuklearisierung Nordkoreas mit allen Mitteln erreichen werden müsse, sagte Park.  (APA, 4.7.2014)

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