Hasta la vista, baby

Kolumne6. Juli 2014, 17:00
65 Postings

Wie wir Gelassenheit erlangen und warum es mitunter auch gut sein kann, seinen Ex-Partner 20 Jahre nicht zu sehen

Manchmal hat es sein Gutes, wenn einem andere ein paar Schritte voraus sind. Dann zum Beispiel, wenn einen privater Hickhack bis ins Büro verfolgt und manche Kollegen zwar interessiert zuhören, dann aber mit lässigen Handbewegungen abwinken und einem das wieder geben, was es in der Welt der Patchwork-Familien so dringend braucht: Gelassenheit.

Solche, wie im konkreten Kollegen-Fall, "Elder Statesmen" haben nicht nur in beruflicher Hinsicht jede Menge Erfahrungen gesammelt, sondern auch im Leben außerhalb der Glasfassaden. Das verleiht ihnen am Ende des Tages eine Aura der Weisheit. Ich mag es, wenn Kollege A mit einem Wirst-schon-sehen-Blick erzählt, wie nett das Abendessen bei seiner Ex und ihrem Mann wieder war. Mein Gott, sagt er, so lange hat sich das keiner vorstellen können. Die Zeit, vermittelt der Mann, schon länger, aber noch immer in seinen besten Jahren, heilt nicht nur alle Wunden, sondern lässt Vergangenes manchmal nur grotesk ausschauen.

Das-war-nicht-das-Allerschlechteste-Blick

Furchtbar sei alles gewesen, sagt Kollege B, verharrt aber in seiner entspannt zurückgelehnten Pose. Und meint die ersten Jahre, in denen es schwierig war mit dem Sohn, weil der und die Kindsmutter in eine andere Stadt gezogen sind. Ich sehe den Mann, von dem ich lange nicht wusste, dass es ein Leben vor seiner Bilderbuch-Kernfamilie gab, auf unwirtlichen Bahnsteigen und in Hotels mit Spannteppichböden, mit einem Jungen, der viel im Zug fährt, ein Kind, das am Ende eines Wochenendes noch nicht vom Vater wegwill.

Wir haben das trotzdem gut hingekriegt, versichert der Kollege. Aber, sagt er, lächelt weise und schenkt mir diesen Das-war-gar-nicht-das-Alllerschlechteste-Blick, er hätte die Mutter seines Sohnes 20 Jahre nicht gesehen. Gesehen haben sie sich erst wieder auf der Hochzeit des Sohnes, sagt der Mann, den ich immer noch mit großen Augen anschaue. Und? "Das war dann wirklich sehr nett!"

"Elder Statesman" und "Freshman"

"Elder Statesman" ist auch Arnold Schwarzenegger, aber "Freshman" in Sachen Patchwork. Gelassen ist er trotzdem und als Ex-Politiker Weltmeister im Delegieren. "Wir treffen uns oft, vor allem in Sachen Kinder, und reden ganz normal miteinander", erzählt der Noch-nicht-Geschiedene während seiner Dreharbeiten zum neuen "Terminator". "Maria und ich streiten ja nicht", sagt er. "Das tun die Anwälte!" Hasta la vista, baby. (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 6.7.2014)

  • Artikelbild
    foto: apa/ian langsdon
Share if you care.