Meerkatzen haben es doch über Afrika hinaus geschafft

6. Juli 2014, 13:20
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Ein Fossil aus dem späten Miozän zeigt, dass Altweltaffen den Weg nach Eurasien vermutlich nicht über Gibraltar genommen haben

Berlin - Meerkatzen sind eine Gattung der Altweltaffen, die nur in Subsahara-Afrika vorkommt - heute jedenfalls. Nun berichtet das Berliner Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung von einem Fossilenfund aus dem späten Miozän: Vor 6,5 bis 8 Millionen Jahren gab es offenbar auch auf der Arabischen Halbinsel Meerkatzen.

Die Entdeckung wird zugleich als Hinweis auf die weitere Verwandtschaft der eigentlichen Meerkatzen gewertet: Die Hundsaffen, zu denen unter anderem Paviane, Makaken und Languren zählen - also auch Affenarten, die heute in Asien und eine sogar am Südwestrand Europas leben.

Wanderwege

Früher hatte es Vermutungen gegeben, dass zumindest einige dieser Affen, vor allem Makaken, über das Mittelmeerbecken oder die Straße von Gibraltar nach Eurasien gelangten, und zwar während der sogenannten Messinischen Salinitätskrise vor etwa sechs Millionen Jahren, als das Mittelmeer austrocknete und Tiere von Nordafrika Europa trockenen Fußes erreichen konnten.

Die neu entdeckten Fossilien deuten hingegen darauf hin, dass die Verbreitung der Altweltaffen schon vor diesem Ereignis über die Arabische Halbinsel erfolgte. Das neu entdeckte Fossil, ein kleiner unterer Backenzahn, wurde 2009 auf der Insel Shuweihat vor Abu Dhabi gefunden. Die Forscher stellten fest, dass dieser Zahn dem ältesten bekannten Vertreter der Meerkatzengattung gehörte - der zuvor älteste bekannte Fund war vier Millionen Jahre alt.

Fund illustriert ökologische Veränderungen

"Den Zahn fanden wir auf der Suche nach fossilen Überresten von kleinen Nagetieren – das war Knochenarbeit in jeder Hinsicht“, berichtet Faysal Bibi vom Museum für Naturkunde Berlin, einer der Koautoren und Entdecker des Backenzahns. "Dabei mussten wir allein an dieser Fundstelle tagelang Berge von Sand durchsieben - aber es hat sich gelohnt.”

Zugleich zeigt die Entdeckung einer baumbewohnenden Meerkatze in einer Region, die heute von Wüste geprägt ist, welch gewaltige ökologischen Veränderungen in den vergangenen paar Millionen Jahren auf der Arabischen Halbinsel stattgefunden haben. (red, derStandard.at, 6. 7. 2014)

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