"Auf spirituellen Pfaden"

Blog4. Juli 2014, 12:46
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Über gesalbte Zungen und andächtige Münder

Auf der Facebook-Seite von "Superwelt" steht: "Markovics wandelt auf spirituellen Pfaden." Ich habe keine Ahnung, wer das geschrieben hat – egal. Interessant ist, dass immer gleich in eine andere Sprache gewechselt wird, wenn es um Gott geht, so wie man auf eine andere Straßenseite wechselt, wenn einem in einer unbekannten Gegend jemand entgegenkommt. Mit "andere Sprache" meine ich nicht Aramäisch oder Latein, sondern die Art der Formulierung.

Wann verwendet man sonst schon Begriffe wie "wandeln" oder "Pfade"? Dasselbe Phänomen kann man beobachten, wenn es um die Diktion geht. Welcher Sprechlehrer unterrichtet bitte die österreichische Priesterschaft (und dazu noch große Teile der ÖVP-Politiker)?

thimfilm
thimfilm
Bei den Dreharbeiten.

Als hätten sie sich vorher die Zunge gesalbt, perlt die Andacht aus ihren Mündern, klingt dabei aber häufig mehr selbstgerecht als andächtig. Warum muss man sich sprachlich verbiegen, wenn verbeugen reichen würde? Wenn man ernsthaft an Gott glaubt, dann glaubt man meiner Ansicht nach an das Natürlichste der Welt. Ich wünsche mir diese Art Glauben. Ich habe diese Art Glauben momentweise erfahren. Aber ich kann mich nicht erinnern, jemals "gewandelt" zu sein, weder auf Pfaden noch sonst wo.

Nächste Frage

Das könnte übrigens Frage zwei der am häufigsten gestellten Fragen zu meinem Film "Superwelt" werden:

"Herr Markovics, glauben Sie an Gott?"

"Ja." "Nein." "Ja." "Nein." (Karl Markovics, derStandard.at, 4.7.2014)

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Facebook.com/Superwelt

Karl Markovics stellt derStandard.at in regelmäßigen Abständen Beiträge über die Dreharbeiten zu dem Film "Superwelt" zur Veröffentlichung zur Verfügung.

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