Bei ÖBB-Tochter Postbus wackeln 50 Jobs

4. Juli 2014, 11:52
70 Postings

Postbus hat in Oberösterreich einen größeren Auftrag an die Konkurrenz verloren, mehr als die Hälfte aller Strecken fallen weg

Wien/Steyr/Gmunden - Die ÖBB-Tochter Postbus hat in Oberösterreich einen größeren Auftrag an den Gmundner Konkurrenten Stern & Hafferl verloren. Laut dem Postbus-Betriebsrat fallen in Steyr mit einem Schlag mehr als die Hälfte aller Strecken weg, was 50 Jobs gefährde. Für Betriebsratschef Robert Wurm ist das Anlass für einen "Hilferuf" an die Politik, die Gesetze zu ändern.

Stern & Hafferl habe den Postbus um drei Cent pro Kilometer unterboten. Das Land Oberösterreich spart sich dadurch laut Wurm 25.000 Euro pro Jahr. "Fast 50 Beschäftigte stehen jetzt auf der Straße, weil in den Ausschreibungskriterien keinerlei Rücksicht auf die Qualität und Sicherheit für die Fahrgäste genommen wird", kritisiert Wurm in einer Aussendung. Postbus steuere mit Abbau von Überstunden und Urlauben gegen, trotzdem würden 25 Leute in der Luft hängen. Betroffen sind laut Wurm ausschließlich Arbeiter, keine Beamten.

Wechseln zur Konkurrenz

Wie viele neue Mitarbeiter beim Sieger der Ausschreibung nun eingestellt werden müssen, steht noch nicht fest. Geschäftsführer Günter Neumann schätzt den Personalbedarf auf 40 bis 45 Mitarbeiter. Es habe auch schon Gespräche mit Postbus-Lenkern gegeben, "die mit Fahrplanwechsel bei uns unterkommen" sollen. Stern & Hafferl werde nach Kollektivvertrag entlohnen und die Vordienstzeiten anrechnen, so Neumann.

Wurm nimmt den Fall als Anlass, um eine Gesetzesänderung beim öffentlichen Personennah- und Regionalverkehr (ÖPNRVG) zu fordern, und sieht das Verkehrsministerium am Zug. Die Sozialpartner hätten mit den Verkehrsverbunden und Bundesländern bereits einen Vorschlag ausgearbeitet. Demnach sollten Busunternehmen, die Ausschreibungen gewinnen, etwa jene Lenker übernehmen müssen, die beim Konkurrenten durch den Auftragsverlust frei werden - und dass mit allen zuvor erworbenen Ansprüchen. "Sonst beginnt sich die Lohnspirale zu drehen", so der Gewerkschafter.

Beinharter Wettbewerb

Seit 1907 fahren Postbusse auf Österreichs Straßen. Heute ist die ÖBB-Postbus GmbH Marktführer im öffentlichen Regionalverkehr auf der Straße. Doch der staatliche Postbus steht in einem beinharten Wettbewerb mit privaten Busunternehmen wie Dr. Richard, Blaguss und Stern & Hafferl. Die EU schreibt nämlich vor, dass Buslinien im öffentlichen Verkehr ausgeschrieben werden. (APA, 4.7.2014)

  • Postbus-Betriebsratschef Robert Wurm am Steuer. Er fürchtet jetzt um Jobs.
    foto: ap/punz

    Postbus-Betriebsratschef Robert Wurm am Steuer. Er fürchtet jetzt um Jobs.

Share if you care.