Alijew-Geständnis: Fälschungsverdacht bestätigt

4. Juli 2014, 14:17
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Ein Gutachten widerlegt laut Staatsanwaltschaft das angebliche Geständnis des ehemaligen kasachischen Botschafters in Wien

Wien/Astana - Die Staatsanwaltschaft Wien hat am Freitag die Meldung der "Kronen Zeitung" bestätigt, wonach ein angebliches schriftliches Geständnis des in Wien wegen Mordverdachts in U-Haft sitzenden Rakhat Alijew kein stichhaltiges Beweismittel ist. "Laut Gutachten ist davon auszugehen, dass das Geständnis eine Fälschung ist", sagte Behördensprecherin Nina Bussek.

Nachdem bei einer Hausdurchsuchung das vermeintlich brisante Dokument sichergestellt wurde - Alijew soll darin die ihm angelastete Verwicklung in die Ermordung zweier kasachischer Banker schriftlich zugegeben haben -, hatte die Staatsanwaltschaft die Authentizität überprüfen lassen. Ein grafologisches Gutachten kam nun zu dem Schluss, dass es sich nicht um die Handschrift Alijews handeln dürfte.

Haftantrag bleibt aufrecht

Dessen ungeachtet hält die Staatsanwaltschaft ihren Haftantrag aufrecht - die über den ehemaligen kasachischen Botschafter in Wien verhängte U-Haft wurde zuletzt bis zum 20. Juli verlängert. "Der dringende Tatverdacht gründet sich auf weitere Beweisergebnisse", betonte Bussek.

Neben Alijew, der den Namen seiner Ehefrau angenommen hat und sich nun Shoraz nennt, wanderten auch dessen Leibwächter sowie der ehemalige Chef des kasachischen Geheimdiensts, Alnur Mussayev, im Juni in U-Haft. Sie sollen gemeinsam mit Alijew an der Entführung, Folterung und Tötung zweier Bankmanager in Kasachstan beteiligt gewesen sein.

Von Lebensgefährtin angefertigt

Die Anwälte Gabriel Lansky und Gerald Ganzger, die die Witwen der beiden getöteten Bankmanager vertreten, hatten bei einem Pressegespräch behauptet, es sei bei der Festnahme Mussayevs in Kopie ein schriftliches Geständnis Alijews gefunden worden. Alijews Verteidiger Manfred Ainedter ortete sogleich eine Fälschung.

Herstellen ließ die Fälschung laut der "Kronenzeitung" die Lebensgefährtin Mussayevs: "Sie gab nun in einer Zeugenbefragung an, dass sie das getürkte Schreiben von einem Schulfreund anfertigen ließ - um ihren Partner zu entlasten."

In Abwesenheit wegen Mordes verurteilt

Alijew ist der ehemalige Schwiegersohn des autokratisch herrschenden kasachischen Präsidenten Nursultan Nazarbayev. Er fiel in Ungnade und wurde 2008 in seiner Heimat in Abwesenheit wegen Mordes verurteilt. Österreich lehnte zwei Mal die Auslieferung an Kasachstan wegen Bedenken bezüglich der Rechtsstaatlichkeit des Prozesses in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik ab. Die österreichische Justiz führt daher selbst Ermittlungen in dem Mordfall, aber auch weitere in einem Fall von Geldwäsche. Die Staatsanwaltschaft Wien hatte im Mai einen Haftbefehl unter anderem wegen Fluchtgefahr erlassen.

Alijew, der zuletzt in Malta lebte, stellte sich Anfang Juni. Die Rechtsvertreter in der Causa und Alijew selbst in Form von Publikationen haben Vorwürfe und angebliche Beweismaterialien und Ermittlungsergebnisse immer wieder an die mediale Öffentlichkeit getragen. (APA/red, derStandard.at, 4.7.2014)

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