Fürs Lernen arbeiten

5. Juli 2014, 13:11
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Mit Berufserfahrung können Akademiker bei Bewerbungen punkten. Praktika während des Studiums wären dafür ideal. Allein, die meisten berufstätigen Studierenden gehen Tätigkeiten nach, die wenig mit ihrem Studium zu tun haben

Nicht nur in den Sommermonaten sind Praktika eine Gelegenheit, während der Ausbildung berufliche Erfahrung zu sammeln. Häufig sind sie auch nach Studienabschluss ein Modell für den Einstieg in die Karriere. Gerade im Sommer sei es sogar schwieriger, ein seinen Qualifikationen entsprechendes Praktikum zu finden, weiß Ursula Axmann, Geschäftsführerin des WU ZBP Career Center, des Karriereservice der Wirtschaftsuniversität. Durch einen tendenziellen Rückgang an Projekten und Aufträgen während der Sommermonate werden auch weniger Praktikumsplätze ausgeschrieben, ergänzt sie. Besser sei es, so Axmann, während des Studiums praktische Berufserfahrung zu sammeln. Im Idealfall parallel zum Studium, so Axmann.

Dass diese Möglichkeit von Studierenden nur selten genutzt wird, zeigt eine aktuelle Online-Umfrage der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH). 84 Prozent der Studierenden an, dass sie zwar neben dem Studium auch arbeiten würden, bei mehr als 65 Prozent der berufstätigen Studierenden passt dabei der Nebenjob aber nur teilweise oder gar nicht zur Studienrichtung. Hier stehe der Verdienst und nicht die Berufserfahrung im Vordergrund.

Vollwertiger Berufseinstieg

Nach dem Studium wäre den Absolventen der direkte Berufseinstieg in ein Unternehmen als vollwertiger Mitarbeiter am liebsten. Traineeship oder Praktikum stehen selten auf dem Plan, so die "Students First Choice 2013"-Befragung der Career Service Austria, des Dachverbands von zehn universitären Karriereservices. Dennoch absolvierten laut der letzten empirischen Analyse zu Praktika und Praktikanten in Österreich (Forba 2011) rund 13 Prozent der Graduierten ein Praktikum.

Bei Fachhochschulabsolventen waren es sechs Prozent, bei Universitätsabgängern rund 15 Prozent. Ebenfalls auffällig war, dass Frauen (16,5 Prozent) häufiger ein Praktikum nach Studienabschluss absolvierten als ihre männlichen Kollegen (9,1 Prozent). Laut Forba sind zwar kaum Veränderungen bei der Anzahl der Praktikanten mit Hochschulabschluss während der letzten 15 Jahre erkennbar, dennoch habe sich die Dauer der Praktika nach dem Studienabschluss erhöht. Dauerte das Praktikum der Absolventenjahrgänge von 1996 bis 2002 im Durchschnitt 7,3 Monate, so betrug die Durchschnittsdauer des Praktikumseinsatzes für Graduierte der Jahrgänge 2003 bis 2009 bereits 8,6 Monate.

Längere Praktikumsdauer sei einer Vielzahl an Praktika vorzuziehen, ist Axmann überzeugt. "Ein Lebenslauf mit ein bis drei fundierten Praktika bringt im Bewerbungsprozess wahrscheinlich mehr Pluspunkte als ein Lebenslauf mit zehn Praktika ohne Aussagekraft. Denn Job-Hopping ist auch bei Praktika nicht gerne gesehen, eine gewisse Konstanz ist gefragt", betont Axmann. (DER STANDARD, 5./6.7.2014)

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