Das mit dem Spielzimmer kann man vergessen! 

7. Juli 2014, 05:30
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Die Schmuckmacherin Michaela Arl de Lima wohnt mit Mann und Kind im dritten Wiener Bezirk. Sie fühlt sich dort pudelwohl.

Die Schmuckmacherin Michaela Arl de Lima wohnt mit Mann und Kind im dritten Wiener Bezirk. Sie fühlt sich dort pudelwohl. Der Gedanke, eines Tages in Rio zu wohnen, taugt ihr allerdings auch, erfuhr Michael Hausenblas. 

"Wir sind vor elf Jahren hier eingezogen. Davor habe ich bei meinem Mann Ramiro in einer winzigen Wohnung im ersten Bezirk gewohnt. Das war eine typische Singlewohnung: Miniküche, Minibad und Minizimmer. Erstaunlicherweise haben wir es dort fünf Jahre ausgehalten. Das war schon spannend, vor allem wenn wir mal eine Meinungsverschiedenheit hatten. Ich meine, wie geht man sich auf 20 Quadratmetern aus dem Weg? Da bleibt nur das Bad.

Michaela Arl de Lima an ihrem Esstisch, an dem sie gelegentlich auch über ihren Schmuckentwürfen brütet. Er sei das Zentrum der Wohnung, sagt sie. (Foto: Lisi Specht; Bildansicht durch Klick vergrößern)

Nun wohnen wir in einer Eigentumswohnung in der Landstraßer Hauptstraße. Zuwachs gab es in der Zwischenzeit auch. Unsere Tochter Amabel ist mittlerweile fünf. Sie änderte freilich auch die Art, wie wir wohnen. Es gibt keinen Raum, der für Amabel tabu ist, das heißt, Kind und Spielzeug breiten sich überall aus. Sie hält sich am liebsten dort auf, wo auch wir gerade sind. Also das mit dem Spielzimmer, das kann man vergessen. Aber hier in dieser Wohnung haben wir dafür genügend Platz.

Sie liegt übrigens im zweiten von insgesamt sechs Stockwerken und misst 105 Quadratmeter. Das Haus wurde vor circa 25 Jahren gebaut, verfügt aber trotzdem über eine angenehme Raumhöhe und sehr große Fenster. Der Grundriss ist ein bisschen eigen. Es gibt einen L-förmigen Flur. Von diesem gelangt man in unser Schlafzimmer, das Kinder- und ein Gästezimmer. Außerdem gibt es einen größeren Wohnbereich, in dem auch gegessen wird, eine sehr nette Terrasse und natürlich eine Küche sowie ein Bad und ein separates WC. Viele Innenwände sind schräggestellt, das machte das Einrichten gar nicht so einfach.

Bei uns herrscht ein bunter, aber funktionaler Mischmasch, es gibt so gut wie nichts Altes, und der Esstisch ist der absolute Mittelpunkt in der Wohnung. An ihm arbeite ich auch immer wieder an meinen Schmuckentwürfen, wenn ich nicht in meinem Geschäft im siebenten Bezirk bin.

In der Wohnung hängen sehr viele Bilder unterschiedlichster Art und unglaublich viele Fotos. An einer Wand berühren sich sogar die unzähligen Bilderrahmen, so vollgehängt ist sie. Da ist vor allem mein Mann dahinter, der lässt dieses Bilderland sprießen und gedeihen. Streng schaut's bei uns nicht aus. Ramiro stammt aus Brasilien, also gibt's auch noch eine Menge Mitbringsel von unseren Reisen nach Südamerika, Tonfiguren, Bilder und so.

Inwiefern die Menschen in Brasilien anders wohnen? Das beginnt schon damit, dass alles verfliest ist, was das Saubermachen sehr erleichtert. Mein Mann hat acht Geschwister, und noch immer treffen sich alle acht samt ihren Familien täglich im kleinen Haus meiner Schwiegereltern, wenn auch nicht immer alle zur gleichen Zeit vorbeischauen. Auch gekocht wird ständig und geredet und viel gelacht ...

Was ich unter Wohnen, abgesehen von alltäglichen Dingen, verstehe? Nun, auch wenn es pathetisch klingt, es hat etwas mit ,Daheim ist, wo mein Herz ist' zu tun. Eine Fahrt zu meiner Familie nach Kärnten, wo ich aufgewachsen bin, ist ein Heimkommen und nicht nur ein Besuch. Unsere Almhütte im Mölltal ist mir ebenfalls zu einem Zuhause geworden, wenn auch nur für ein bis zwei Wochen im Jahr. Wohnen ist Raum für Familie, Zusammensein.

Obwohl wir hier absolut zufrieden sind, gibt es schon so etwas wie einen Wohntraum. Früher wäre das ein Häuschen an irgendeinem Strand gewesen. Heute träume ich immer wieder einmal von einer Bleibe in Rio de Janeiro, für mich die großartigste Metropole. Mein Mann und ich würden irgendwann einmal gern ein paar Monate des Jahres dort drüben verbringen." (DER STANDARD, 5.7.2014)

Michaela Arl de Lima wurde 1976 in Klagenfurt geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Gold- und Silberschmiedin an der HTBL Ferlach. Seit 2003 ist sie selbstständig. Zunächst arbeitete sie in einer kleinen Werkstatt in Klagenfurt und zeigte ihre Entwürfe in verschiedenen Galerien und Ausstellungen. Seit 2012 betreibt die Schmuckmacherin ihr eigenes Geschäft im siebenten Bezirk, Lindengasse 25. Sie fertigt in erster Linie Unikate mit farbenprächtigen Edelsteinen. Ferner bietet sie die individuelle Anfertigung von Eheringen und Umarbeitung alter Schmuckstücke an.

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michaelaarldelima.com

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