"Mehrere Treffer durch Polizeiprojektile" töteten mutmaßlicher Räuber

4. Juli 2014, 09:39
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21-Jähriger zog echt wirkende Softairgun - laut Obduktion "mehrere tödliche Treffer"

Wiener Neustadt – In Niederösterreich gab es in der Nacht auf Freitag erneut einen tödlichen Schusswaffeneinsatz der Polizei. Ein mutmaßlicher Tankstellenräuber wurde bei Neunkirchen auf der Flucht erschossen.

Er soll Polizisten mit einer Pistole bedroht haben. Dass es sich dabei nur um eine Softairwaffe handelte, hätten die Beamten nicht wissen können, sagte am Freitag Polizeisprecher Johann Baumschlager zum STANDARD. Die ab 18 Jahren frei erhältlichen Sportwaffen sehen sehr echt aus. Damit soll der 21-jährige bisher unbescholtene  Arbeiter eine Tankstelle in der Wiener Straße in Wiener Neustadt überfallen haben. Die Tankstellenbedienstete löste allerdings Alarm aus und flüchtete ins Freie.

Der junge Mann raste mit seinem silbernen Ford Focus davon. Anhand der Beschreibung konnte die Polizei aus Wiener Neustadt den Wagen auf der B17 ausmachen und mit drei Funkwagen stoppen. Der Lenker soll auf der Beifahrerseite ausgestiegen und die Pistole auf die Beamten gerichtet haben. In dieser (vermeintlichen) Notwehrsituation eröffnete die Polizei das Feuer.

Nach der Obduktion gab die Landespolizeidirektion am Freitagabend bekannt, dass der 21-Jährige "mehrere tödliche Treffer durch Polizeiprojektile" erlitt. Blutuntersuchungen hinsichtlich eventuellen Alkohol- oder Suchtgiftkonsums des getöteten Verdächtigen stünden noch aus. Diesbezügliche Ergebnisse könnten am Montag vorliegen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Cobra, deren Zentrale nur wenige Kilometer entfernt ist, war zu dem Einsatz angefordert worden. Allerdings war die Nachtschicht des Sondereinsatzkommandos gerade bei einem Einsatz in St. Pölten. Die umdirigierten Beamten konnten Neunkirchen nicht mehr rechtzeitig erreichen. Der gesamte Einsatz wird nun durch ein Erhebungsteam der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit untersucht und von der Staatsanwaltschaft geprüft und beurteilt.

Seit 2008 gab es in Niederösterreich fünf tödliche Schusswaffeneinsätze der Polizei. Vier davon waren laut Justiz gerechtfertigt. Der Beamte, der in Krems einen 14-jährigen Einbrecher erschossen hatte, wurde wegen fahrlässiger Tötung rechtskräftig zu acht Monaten bedingt verurteilt. (simo, DER STANDARD, 5.7.2014)

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