Europa sperrt sich gegen Schiefergas

4. Juli 2014, 05:34
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Industrieforderungen scheitern am Umweltschutz und den Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit

Fracking sorgt in den USA für billiges Gas im Überfluss. Prognosen der Internationalen Energieagentur zufolge wird sich die Fördermenge dort bis zum Ende des Jahrzehnts auf fünf Millionen Barrel pro Tag verdoppeln. Die Amerikaner erhoffen sich so Unabhängigkeit von Energielieferungen aus den Golfstaaten. Preise für Gas und auch Strom sind daher schon deutlich zurückgegangen.

Auf Fracking-Spuren haben sich längst auch europäische Industrieunternehmen begeben. Vor allem, weil weder Gasexporte aus Amerika derzeit rechtlich möglich sind, noch Flüssiggashäfen zur Verfügung stehen. Auch wegen des aktuellen Konflikts zwischen Russland und der Ukraine wird Fracking intensiv diskutiert.

Die Ukraine hat bereits Anfang 2013 ein Fracking-Projekt gestartet. In Österreich hat Voest-Chef Wolfgang Eder in diese Richtung argumentiert: "Jedes Bohrloch, das wir in Europa öffnen, ist ein Signal an Russland, dass wir Alternativen finden." Und die OMV, BP oder der Europäische Chemieindustrieverband fordern ebenfalls mehr politischen Willen zum Fracking.

Zweifel an Nachhaltigkeit und Sicherheit

Doch die Wirtschaftlichkeit von Schiefergas in Europa ist keineswegs garantiert. Der österreichische Erdgasförderer RAG etwa brach Anfang des Jahres seine Fracking-Vorhaben in Polen ab, nachdem sich herausgestellt hatte, dass diese sich nicht rentieren werden. Auch Berichte über ein mögliches Platzen der Fracking-Blase in den USA sorgen für Zweifel an der Nachhaltigkeit von Schiefergasbohrungen.

In der europäischen Bevölkerung ist Fracking heftig umstritten. Umweltschützer kritisieren das Verfahren, weil nicht geklärt ist, welche Auswirkungen es auf das Grundwasser und Gesundheit hat. Die OMV etwa musste infolge von Bürgerprotesten geplante Bohrungen im Weinviertel ad acta legen. In Frankreich wurde es gar ganz verboten, und der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kündigte an: "Fracking-Technologie, wie sie in den USA und Kanada verwendet wird, wird es in Deutschland nicht geben." (Sonja Spitzer, DER STANDARD, 4.7.2014)

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