Viele kleine James und Pékermans 

3. Juli 2014, 18:22
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Kolumbiens Stars sind als Namenspaten äußerst beliebt - In Costa Rica gehen die Dressen der Helden aus

James, Jackson und Pékerman machen Furore in Kolumbien. Das starke Abschneiden der Nationalmannschaft in Brasilien hat im Andenstaat eine Welle der Euphorie und eine neue Vornamen-Mode ausgelöst. Wie der kolumbianische Radiosender RCN berichtete, wurden in den vergangenen Tagen in den Regionen an der Karibikküste mehr als 1400 Kinder auf den Standesämtern mit den Namen der Stars der Mannschaft eingetragen. Am beliebtesten sind demnach Jackson und James nach den beiden Stürmern Jackson Martínez und James Rodríguez, der bislang der beste Torschütze der WM ist. Aber auch der argentinische Trainer José Néstor Pékerman ist ein beliebtes Vorbild - allerdings vor allem sein Nachname. Selbst Radamel Falcao García Zárate, der aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht an der WM teilnehmen kann, steht in der Gunst der Eltern ganz oben.

Bei der Namensgebung herrscht in Lateinamerika eine recht große Freiheit, der Fantasie der Eltern sind kaum Grenzen gesetzt. Beethoven, Hitler, Washington, Minerva, Bill Clinton und Mussolini sind ebenso gängige Vornamen wie Mitch oder Wilma. Bei Letzteren waren Wirbelstürme die Namensgeber. Auch Fernseh-Seifenopern inspirieren die Eltern. Allerdings werden die Namen dann so geschrieben, wie sie auf Spanisch ausgesprochen werden, also Maicol, Jhon oder Daivy.

Helden und Babys

Journalist Camilo González findet den Hype nicht weiter verwunderlich: "Das ganze Land, Babys, Kinder, Erwachsene und Großeltern, sitzt vor dem Fernseher und hat das Gefühl, einem historischen Ereignis beizuwohnen. In so einem überschwänglichen Glücksgefühl werden Helden geboren und Babies getauft."

Positive Nachrichten haben in der Tat einen besonderen Stellenwert in Kolumbien. Schließlich sind in einem schon 50 Jahre andauernden blutigen Bürgerkrieg bisher schon eine Viertelmillion Menschen ums Leben gekommen. Auch die Verehrung von Jackson Martínez ist eine kleine, soziale Revolution. Geboren im Chocó, einer der ärmsten Regionen des Landes, ist er Symbolfigur für die diskriminierte Minderheit der Afrokolumbianer. Der kleine Martínez hatte weder Stollenschuhe noch Fußballshorts, als er erst mit den Puppen seiner Schwestern spielte und dann auf einem staubigen Fußballplatz die Ballkunst erlernte.

Mangel

Auch im mittelamerikanischen Costa Rica hat der Einzug ins Viertelfinale - am Samstag wartet in Salvador da Bahia das Duell mit den Niederlanden - eine geradezu beispiellose Begeisterung ausgelöst. Zu zehntausenden gingen die Costa Ricaner nach jedem Erfolg auf die Straßen, um das Abschneiden ihrer Mannschaft gebührend zu feiern.

Die Trikots der Nationalelf wurden knapp. Der Importeur musste Anfang der Woche eilig neue Lieferungen nachbestellen. Vor allem die Modelle für Frauen und Kinder seien ausverkauft, erklärte Daniel Espino von der Herstellerfirma "Lotto". Dabei war das rote Hemd erst gar nicht beliebt. Die Spieler hatten sich beklagt, es sauge den Schweiß nicht richtig auf, den Fans gefiel das Design nicht.

Diese Klagen sind längst Geschichte. Am Mittwoch beschlossen die Abgeordneten, die Nationalmannschaft nach ihrer Rückkehr in die Heimat im Kongress zu ehren. Außerdem wurde geprüft, den 20. Juni - die Ticos schlugen an diesem Tag, also am Freitag vor zwei Wochen Italien in Recife mit 1:0 und zogen ins WM-Achtelfinale ein - zum nationalen Tag des Fußballs zu erklären. (Sandra Weiss, DER STANDARD, 04.07.2014)

  • Trainer José Pékerman und James Rodríguez, bisher die Entdeckung dieser WM, haben in Kolumbien einen Hype ausgelöst.
    foto: apa/epa/trueba

    Trainer José Pékerman und James Rodríguez, bisher die Entdeckung dieser WM, haben in Kolumbien einen Hype ausgelöst.

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