Des Handels Hinterfotzigkeit

3. Juli 2014, 18:24
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Beim Salzburger Sommerszene Festival war die Wiederaufnahme von Tino Seghals Stück "Ohne Titel" zu sehen

Heute ist Tino Sehgal eine internationale Größe in der bildenden Kunst mit Präsenz im New Yorker Guggenheim, der Londoner Tate Modern und der Kasseler Documenta. Als er 2001 in Erlangen sein Tanzsolo Ohne Titel vorstellte, gehörte er zu der Gruppe konzeptueller Choreografen, die seit Mitte der 1990er-Jahre von sich reden machten.

Beim Salzburger Sommerszene Festival war die Wiederaufnahme dieses Stücks zu sehen, das bei großem internationalem Echo nicht mehr von Sehgal selbst, sondern von Boris Charmatz, Andrew Hardwidge und Frank Willems interpretiert wird. In Salzburg brillierte Letzterer als Verkörperung von Sehgals Sicht auf die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit Liveclips aus Werken von Isadora Duncan oder Vaslav Nijinsky bis hin zu John Jasperse und Jérôme Bel.

In starkem Kontrast dazu führte die Kroatin Ivana Müller in ihrer Performance Positions die lichten, und finsteren Aspekte des Handelns, Tauschens und Verkaufens vor. Hier ist der Tanz der Zeichen und Repräsentationen im Gange, mit zwölf Darstellern, die die Hinterfotzigkeit menschlichen Wirtschaftens so leicht wie ironisch auf die Bühne bringen.

Noch zu sehen ist zum Abschluss des Festivals das Stück Boo-deedly-deedly-deedly-dum ba-boop-be-doop! der Spanierin Maria Jerez am Freitag und Samstag. Außerdem, aber nur am Freitag, Jan Plewka, der unter dem Titel Sound of Silence das Werk von Simon & Garfunkel in neuem Licht erscheinen lässt. Und am Samstag gibt's noch eine Party mit der "More than naked"-Choreografin Doris Uhlich. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 4.7.2014)

  • Performance bei der Sommerszene Salzburg: "Positions"
    foto: müller

    Performance bei der Sommerszene Salzburg: "Positions"

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