Radiodirektor hat Grillsaison, Innsbruck in Spendierlaune

3. Juli 2014, 18:16
8 Postings

ORF-Stiftungsräte versuchten am Donnerstag, Radiodirektor Karl Amon zu grillen. Er hat sein Budget um zwei Millionen überschritten. Läge der ganze ORF 2,5 Prozent unter Plan, schriebe er 25 Millionen Verlust, hieß es

Wien - Die ORF-Stiftungsräte haben nicht vergessen, wie ihnen Radiodirektor Karl Amon vor Monaten schnoddrig erklärte, er werde schon das Geld auftreiben oder einbringen, das dem ORF-Radio 2014 noch fehlte für die Sparvorgaben - und daraus eine Art Vertrauensfrage machte. Nun liegt das Radio zur Jahreshälfte zwei Millionen unter Plan. "Eine Frechheit gegenüber allen anderen, die ihr Budget einhalten", sagt ein Stiftungsrat, "das lassen wir uns nicht bieten." Am Donnerstag luden sie den Direktor zur nächsten Aussprache nach fast zwei Stunden Programmausschuss.

2,5 Prozent unter Plan liege das Radio als einzige ORF-Direktion. Karl Amon würde an der Stelle vielleicht auf eines der vergangenen Jahre  verweisen, in denen das Radio ebenfalls im Halbjahr unter Plan, am Jahresende aber darüber gelegen ist.

Das freilich dürfte sich nach Auskunft der ORF-Führung nicht ausgehen: Die zwei Millionen fehlen aus heutiger Sicht auf das Gesamtjahr 2014 hochgerechnet. Und auch die seien nur noch mit "harten Sparmaßnahmen" zu erreichen, die mit Amon besprochen seien, erklärten ORF-Chef Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl nach dem Stiftungsrat. Ein "sehr intensives Controlling" werde die Umsetzung begleiten.

Wrabetz sagt, Amon genieße sein Vertrauen. Der Radiodirektor habe eingeräumt, dass er sich "sehr ambitionierte Ziele" gesetzt habe; er werde sich sehr bemühen, sie einzuhalten.

Schon wird wieder einmal über Nachfolger spekuliert: Landesdirektor Roland Brunhofer passt nach dem Machtwechsel in Salzburg nicht mehr so gut zur Landesregierung und will nach Wien. Karlheinz Papst (Burgenland) wird auch gern fürs Radio genannt. Wenn nicht einer von ihnen (oder TV-Entwicklungschef Stefan Ströbitzer) die künftig multimedial vereinte ORF-Information führt.

Dafür müsste Amon aber wohl freiwillig in Pension gehen, eine Abwahl ist schwierig - selbst wenn Wrabetz einen Abwahlantrag erwägen würde, was der ja verneint. Und Amon wirkt definitiv nicht nach Abgang. Auch wenn ihn neben Budget und Sponsorensuche derzeit  auch die Ö1-Besetzung fordert.

  • Baustelle ORF Apropos Multimedia-Newsroom: Der Stiftungsrat hat am Donnerstag die Gründung einer ORF-Immobilientochter genehmigt. Für den 250- bis 300-Millionen-Bau eines Newscenters auf dem Küniglberg. Die Tochter bringt auch Steuervorteile. 15 Architektenteams hat eine Jury ausgesucht, aus Österreich und international, auch Stars.

  • Ein bisschen netflixen darf auch der ORF künftig: Der Stiftungsrat genehmigte ihm die Komplettübernahme des kostenpflichtigen Filmabrufportals Flimmit.

  • Kartengroßeinkauf Der Stiftungsrat hat Mitglied Josef Resch erlaubt, dass der von ihm geführte Tanzsommer Innsbruck weiter mit dem ORF kooperieren kann. Betriebsräte wunderte, dass der ORF hunderte Karten im Wert von mehr als 100.000 Euro ankauft, um sie zu verlosen. Im ORF hieß es: Zum größten Teil gilt man die Karten mit Werbeleistung ab.

  • Mutters Nullsumme Mutter Erde braucht Dich, die ORF-Kooperation mit Umweltorganisationen, sehen nicht nur bürgerliche Stiftungsräte kritisch, wohl auch weil sie Alexander Wrabetz' Ex-Pressesprecher Pius Strobl organisiert. Stiftungsräte sagen: Die Show zur Aktion habe 500.000 Euro gekostet und 500.000 Euro an Spenden eingespielt.

  • Strategie Der ORF hat nun eine beschlossene Strategie: Er will alle möglichen multimedialen Plattformen bespielen - und weil die linearem Fernsehen und Radio Konkurrenz machen, will er die Quoten eben über alle Medien messen.

  • Innsbrucker Lieder für Millionen Der Kalkulation des ORF für den Song Contest 2015 hat der Stiftungsrat zugestimmt. Wie berichtet, rechnet der ORF fürs Erste mit rund 25 Millionen Euro Aufwand, zehn Millionen will er jedenfalls hereinspielen. Innsbruck wurde intern am besten bewertet, noch im Rennen sind noch Graz und Wien. Vielleicht liegt Tirol auch wegen seiner Investitionsbereitschaft weit vorn: Rund zehn Millionen an Geld- und Sachleistungen sollen die Innsbrucker geboten haben. (fid, DER STANDARD, 4.7.2014)
  • ORF-Generaldirektor Wrabatz (links) und Radiodirektor Amon.
    foto: apa/neubauer

    ORF-Generaldirektor Wrabatz (links) und Radiodirektor Amon.

Share if you care.