Und das Trauma von Sevilla ist immer noch präsent 

3. Juli 2014, 18:06
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Die Franzosen sind im Viertelfinalduell mit Deutschland "gierig" auf einen Erfolg. Das DFB-Team sorgte sich derweil um die Fitness seiner Spieler. Und ein Treffen von 1982 ist noch immer allgegenwärtig

Rio de Janeiro - Franck Ribéry bleibt lieber auf Ibiza. Der verletzte Bayern-Spieler hätte heute auf der Tribüne des Maracanã ohnehin nur passiv helfen können. Auch ohne ihn strotzen die Franzosen vor dem Viertelfinalduell mit Deutschland vor Selbstvertrauen. "Wir fahren sicher nicht als Touristen nach Rio", sagte Trainer Didier Deschamps. Die Angriffsreihe mit Karim Benzema, Antoine Griezmann und Mathieu Valbuena könnte auch der deutschen Defensive große Probleme bereiten.

"Wir können immer ein Tor schießen, wir sind Frankreich", sagte Mittelfeldspieler Paul Pogba. "Wir können jeden besiegen." Zehn Treffer haben die Franzosen in den bisherigen vier Spielen erzielt, um ein Tor mehr als die Deutschen. Das letzte Mal, als sie zweistellig trafen, holten sie auch den Titel. Das war 1998.

Das Stottern der Maschinen

Deschamps will Deutschland "einen großen Kampf liefern". Die Équipe Tricolore spielte bisher sehr robust und körperbetont. "Wir werden vielleicht aggressiv, aber nicht bösartig spielen", sagte Verteidiger Mamadou Sakho. Mittelfeldmann Blaise Matuidi sagte, sein Team sei "gierig". Und Torwart Hugo Lloris sieht in den Spielern von Joachim Löw zwar "Maschinen", aber: "Für uns gibt es kein Limit bei diesem Turnier."

Die deutschen "Maschinen" sind indes ins Stottern geraten. Im Achtelfinale wurden die tapferen Algerier mit 2:1 besiegt. Zahlreiche Spieler sind oder waren angeschlagen. Mats Hummels ist zwar wieder fit, Shkodran Mustafi (Oberschenkelverletzung) fehlt dafür. Zudem seien sieben Spieler leicht grippeerkrankt, wie Löw dem ARD-Hörfunk sagte. "Ich hoffe, dass es bei allen gutgeht." Weitere Ausfälle sind also nicht ausgeschlossen. Dabei, das weiß auch Torhüter Manuel Neuer, brauche es gegen Frankreich "elf Spieler auf dem Platz, die zu hundert Prozent fit sind". Und: "Wir müssen mehr als hundert Prozent geben."

Heiß und Rache

Erschwerend kommen die äußeren Bedingungen hinzu. In der Mittagssonne von Rio sind mehr als 30 Grad vorhergesagt. Das Achtelfinale in Porto Alegre hatte das DFB-Team noch bei 14 Grad bestritten. Jammern lässt Löw dennoch nicht zu. "Eine WM ist kein Spaziergang."

Das letzte Duell entschied die DFB-Auswahl für sich. Ein 2:1 im Februar 2013 in Paris markierte den ersten deutschen Sieg im Nachbarschaftsduell seit knapp 26 Jahren. Bei Weltmeisterschaften stand man sich bisher dreimal gegenüber. In Mexiko 1986 gewann Deutschland das Halbfinale mit 2:0. 1958 in Schweden siegten die Franzosen im Spiel um Platz drei mit 6:3.

Das berühmteste Duell aber stieg 1982 im Halbfinale. Als "Drama von Sevilla" ging Deutschlands Sieg nach Elfmeterschießen in die Geschichte ein, nachdem die Franzosen in der Verlängerung schon mit 3:1 geführt hatten. In Erinnerung blieb vor allem das brutale Foul von Toni Schumacher gegen Patrick Battiston. Deutschlands Schlussmann rammte dem auf ihn zueilenden Battiston den Ellbogen unters Kinn. Der Verteidiger blieb bewusstlos liegen - mit einem angebrochenen Halswirbel und einer Gehirnerschütterung. Die Szenen von damals kennt in Frankreich auch heute noch jeder Fußballfan. Von Rache will man 32 Jahre später aber nicht reden. Deschamps: "Da waren die Spieler noch nicht einmal geboren." (sid, APA, rie, DER STANDARD, 4.7.2014)

Frankreich - Deutschland
Freitag, 18 Uhr MESZ, Rio de Janeiro, Maracana, SR Pitana (ARG)

Mögliche Aufstellungen:

Frankreich: 1 Lloris - 2 Debuchy, 4 Varane, 5 Sakho, 3 Evra - 19 Pogba, 6 Cabaye, 14 Matuidi - 8 Valbuena, 10 Benzema, 11 Griezmann

Ersatz: 16 Ruffier, 23 Landreau - 13 Mangala, 15 Sagna, 17 Digne, 21 Koscielny, 12 Mavuba, 18 Sissoko, 22 Schneiderlin, 7 Cabella, 9 Giroud, 20 Remy

Teamchef: Didier Deschamps

Deutschland: 1 Neuer - 16 Lahm, 17 Mertesacker, 20 Boateng, 4 Höwedes - 6 Khedira, 7 Schweinsteiger, 18 Kroos - 9 Schürrle, 13 Müller, 8 Özil

Ersatz: 12 Zieler, 22 Weidenfeller - 2 Großkreutz, 3 Ginter, 5 Hummels, 15 Durm, 10 Podolski, 14 Draxler, 19 Götze, 23 Kramer, 11 Klose

Es fehlt: 21 Mustafi (Muskelbündelriss im Oberschenkel)

Teamchef: Joachim Löw

  • Neuer und Schürrle harren.
    foto: ap/schrader

    Neuer und Schürrle harren.

  • Frankreich will die deutschen Maschinen ins Stottern bringen.
    ap/vincent

    Frankreich will die deutschen Maschinen ins Stottern bringen.

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