Susie Wolff: Der Motorsport hat eine Botschafterin

Kopf des Tages3. Juli 2014, 18:21
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Erste Frau seit 22 Jahren in Formel 1

Ein knackiger Vollgasanteil von sechzig Prozent, eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 300 km/h und das geballte Interesse der Medienwelt: Die 31-jährige Schottin Susie Wolff tritt im Training zum Großen Preis von England als erste Frau seit 22 Jahren in der Formel 1 an und muss dabei am Circuit von Silverstone eine Gratwanderung bewältigen. Zum einen soll sie den von Stammpilot Valtteri Bottas geliehenen Boliden als Ganzes zurückgeben, zum anderem ihre Fähigkeiten mit einer flotten Rundenzeit unter Beweis stellen.

Am fahrbaren Untersatz sollte es jedenfalls nicht scheitern. Während die Italienerin Giovanna Amati 1992 in einem nicht konkurrenzfähigen Brabham antrat, darf Wolff in einem der schnellsten Rennwagen der Gegenwart Platz nehmen, im mit einem Mercedes-Motor ausgestatteten Williams. Zuletzt stand das Team dank Felipe Massa in Spielberg auf der Pole-Position.

Unübertroffenes Feedback

Seit 2012 ist Wolff als Entwicklungsfahrerin bei Williams engagiert. Ihr Ehemann, der österreichische Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, hält ebendort seit 2009 einen Minderheitsanteil. Ausschlaggebend für ihre Verpflichtung sind aber andere Qualitäten. Ihr Feedback aus dem Simulator ist laut des ehemaligen Teamchefs Frank Williams unübertroffen.

Auf der Strecke misst sich Wolff freilich nicht zum ersten Mal mit ihren männlichen Kollegen. Ihre Karriere begann der jüngste Spross einer motorsportverrückten Familie achtjährig im Kart, später fuhr sie britische Formel Renault und Formel 3, ehe sie von 2006 bis 2012 für Mercedes an der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft teilnahm. Ihr bestes Ergebnis blieb in diesen DTM-Jahren ein siebenter Platz.

Der scherzende Vettel

Erst im Mai ließ Wolff bei Testfahrten in Barcelona den nicht untalentierten Sebastian Vettel hinter sich. "Zeit zum Aufhören, oder?", soll der vierfache Weltmeister anschließend scherzhaft gefragt haben. Wolff jedenfalls hat vor ihrem Debüt größere Ziele. "Ich möchte sehen, wie eine der letzten Bastionen von Männlichkeit verschwindet", sagte sie kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Zeichen stehen gut: Beim Rennstall Sauber ist mit der Schweizerin Simona de Silvestro eine weitere Frau als Testfahrerin im Einsatz.

Auch in zwei Wochen wird Wolff im Training von Hockenheim an den Start gehen. Mehr Einsätze sind zurzeit nicht geplant. Das möchte die Debütantin ändern, der Traum von einem Rennen lebt: "Jetzt muss ich zeigen, was ich kann." (Philip Bauer, DER STANDARD, 4.7.2014)

  • Die Schottin Susie Wolff dreht beim Training für den GP von  Großbritannien als erste Frau seit 22 Jahren ihre Runden in der Formel  1.
    foto: reuters/phil noble

    Die Schottin Susie Wolff dreht beim Training für den GP von Großbritannien als erste Frau seit 22 Jahren ihre Runden in der Formel 1.

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