Wachstum im Osten zieht wieder an

3. Juli 2014, 17:51
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Nach langer Flaute wird in Osteuropa wieder investiert: Die Konjunktur wird unerwartet stark anziehen

Wien - Wenn Ökonomen ihre Prognosen in den vergangenen Monaten korrigieren mussten, dann meistens nach unten. Übertriebene Erwartungen, unvorhergesehene Ereignisse, ein Aufschwung in Europa lässt seit 2008 auf sich warten. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Flaute in Osteuropa bald vorbei sein dürfte.

Das Wiener Osteuropainstitut WIIW hat am Donnerstag eine im Vergleich zur letzten Schätzung im März deutlich optimistischere Prognose für die Region veröffentlicht. Die Volkswirtschaften in Rumänien, Polen, Tschechien, Slowenien und Ungarn dürften um 0,6 Prozentpunkte stärker wachsen als zuletzt erwartet.

Ungarn legt zu

Die Korrektur des Ausblicks fällt für einige Länder beachtlich aus. Ungarns Wirtschaft beispielsweise, soll heuer laut WIIW um 2,6 Prozent zulegen, im März war von 1,4 Prozent die Rede. In Rumänien wird ein Plus von 3,2 Prozent prognostiziert (statt der zuletzt erwarteten 2,4 Prozent).

Dass die Ökonomen optimistischer in die Zukunft blicken, hat mehrere Gründe: So haben Rumänien und Co die EU-Fördertöpfe laut WIIW-Ökonom Mario Holzner zuletzt effektiver ausgeschöpft, was auch die private Investitionstätigkeit angekurbelt hat. Zudem hat sich der Konsum in Ländern wie Bulgarien, Tschechien und Polen stabilisiert.

Imposant sind die Zahlen aus Ungarn: Die Investitionen sind im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 13 Prozent gestiegen - das ist das größte Plus in der Region. Die Zahl wirkt auf ersten Blick überraschend. Ungarn hat ja ausländische Investoren - Stichwort Sondersteuern für Banken und Telekomunternehmen - eher verschreckt als angelockt. Allerdings hat die konservative Fidesz-Regierung darauf geachtet, klassische Industriebetriebe von den Belastungen auszunehmen. Audi zum Beispiel hat seine Pkw-Produktion im Land in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet. Dies macht sich nun in den Zahlen bemerkbar.

Ukraine schrumpft

Allerdings sind die Werte aus Ungarn auch mit etwas Vorsicht zu genießen, sagt WIIW-Ökonom Sandor Richter. So habe die Regierung von Premier Viktor Orbán die öffentlichen Ausgaben im Vorfeld der Wahlen im April 2014 stark gesteigert, wodurch die Zahlen aufgeblasen wurden.

Eine weitere wichtige Einschränkung gibt es zur WIIW-Prognose - Das Wachstum zieht nicht in allen Ländern an. Die ukrainische Wirtschaft dürfte als Folge der Gewalt um fünf Prozent schrumpfen. Auch Serbien und Kroatien werden die Rezession nicht hinter sich lassen. (szi, STANDARD, 4.7.2014)

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