Panem, Circenses und Löw

Kolumne3. Juli 2014, 17:36
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Alle hacken jetzt auf ihm herum, auf Jogi Löw, dem Knuddelbären, der er spätestens seit dem USA-Match ist, als es heftig auf ihn draufgeregnet hat. Das ist - mit dem Allwetterargument aller Argumentlosen - "gut so". Denn dadurch wird anschaulich ausgebreitet, was im Fußball das Übelste vom Üblen ist: die Siebeng'scheitheit aller Patschachter dieser Welt.

Der Fußballschauer hat - angeleitet von unzähligen Neunmalklugen - verlernt, einfach nur zuzuschauen; das Gute zu genießen, das weniger Gute halt zur Kenntnis zu nehmen mit deftigem Fluch und erhobenem Mittelfinger.

Stattdessen wird sendezeitfüllend und blogüberquellend gescheitelt, was das Zeug hält. Dem Jogi Löw wird - nur so ein Beispiel - aktuell seine Viererkettenphilosophie um die Ohren gehaut, wie zeitgleich der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek die Sache mit den hymnischen Töchtern. Jetzt sind die mit dem "und" rhythmisch schon sowas wie der Philipp Lahm als Sechser. Das ermächtigt aber keinen der Siebeng' scheiten, dem Löw oder der Heinisch-Hosek das Buckelfünferln zu schaffen.

Fußball ist - davon leben Verbände, Vereine und Vertragsspieler - die Ins-Werk-Setzung der Marshall-McLuhan-Prognose. Das Medium Fußball ist die sich in sich selber erschöpfende Botschaft: Fußball, so Gertrude Stein, ist Fußball ist Fußball ist Fußball.

Fußball freilich ist - daran hat sich seit den alten Römertagen nichts geändert - die blickdichte Hecke, hinter der das große Geschäft läuft. Ums Brot, so der Deal, hätte sich die Politik zu kümmern. Dass die dabei zusehends ins Strudeln gerät, hat auch Rückwirkungen auf die Spiele. Siehe Brasilien. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 4.7.2014)

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