Burkadebatte: Auf blauen Abwegen

3. Juli 2014, 17:44
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Dönmez befeuert entgegen dem Gleichheitsgrundsatz die heikle Integrationsdebatte

Wer als "Westlerin" Gelegenheit gehabt hat, probehalber unter eine Burka zu schlüpfen, weiß nach zwei Minuten: Dieser Überwurf schränkt das Gesichtsfeld ein. Das Gitter vor den Augen trübt den Rest an Wahrnehmung. Rasch gerät der Gleichgewichtssinn ins Wanken. Also stolpert man damit schon nach wenigen Schritten - und sehr schlecht durch ein ganzes Leben. Kaum zu denken an geregelte Arbeit mit dem Ding, von selbstbewusstem Auftreten ganz zu schweigen.

Doch auch ohne Selbstversuch muss der Grüne Efgani Dönmez wissen: Hierzulande neigt wohl nicht einmal ein Promille der Frauen zu dieser Art der Ganzkörperverhüllung, die einst die Taliban sämtlichen Frauen in Afghanistan übergestülpt haben, um ihr krudes fundamentalistisches Weltbild grausame Realität werden zu lassen. Dönmez' Vorstoß, diesen Verschleierten Sozialleistungen zu streichen, gemahnt also eher an unausgegorene Ideen, die sonst eher gern Freiheitliche denn Grüne hegen - und er befeuert entgegen dem Gleichheitsgrundsatz unnötigerweise die ohnehin heikle Integrationsdebatte.

Damit Zuwanderinnen mitunter befremdliche Überwürfe ablegen, braucht es vor allem ihre Emanzipation gegenüber familiären Traditionen - und den oft restriktiven Vätern, Brüdern, Ehemännern. Wenn der Staat ihnen dabei nicht Hilfen anbietet, sondern Strafen auferlegt, treibt er sie garantiert auf weitere Jahrzehnte zurück in deren Arme. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 4.7.2014)

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