Neuer ÖIAG-Chef Wolf mit Rundumschlag gegen Politik und Telekom-Chef

3. Juli 2014, 15:58
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"Mit beiden Händen im Hosensack ist wenig zu erreichen"

Der neue ÖIAG-Chef Siegfried Wolf holt eine Woche nach seiner Bestellung zum Präsidenten der Verstaatlichtenholding zum Rundumschlag aus. Im Interview mit dem Magazin "News" übt er harte Kritik an der heimischen Politik und an der Führung der teilstaatlichen, inzwischen von America Movil kontrollierten,Telekom Austria. Russlands umstrittenen Präsident Wladimir Putin verteidigte er hingegen.

"Es tut verdammt weh."

Überraschend heftig für einen Eigentümervertreter mit Blick auf den Aktienkurs fällt seine Kritik an derTelekom aus, die vergangene Woche eine Wertberichtigung von 400 Mio. Euro für Bulgarien bekannt geben musste. "Es tut verdammt weh. Eine Eigenkapitalabschreibung von 400 Millionen Euro bingt das Unternehmen in eine äußerst prekäre Situation", so Wolf.

Er sieht nun einen erheblichen Aufklärungsbedarf: "Es ist in der Tat sehr seltsam und auch überraschend für die ÖIAG wie für jeden anderen Aktionär. Ich sehe es als absolute Notwendigkeit, dass hier lückenlos aufgeklärt wird, wie es von Mai bis Mitte Juni zu so einem Abschreibungsbedarf kommen kann. (...) Verantwortlich ist eindeutig der Vorstand der Telekom."

Zu den Gerüchten über einen Einstieg des staatlichen russischen Energiekonzerns Gazprom bei der teilstaatlichen OMV meinte Wolf, dass der Konzern derartige Meldungen dementiert hatte. Und Wolf hielt fest: "Ohne die Republik Österreich geht nichts." Und einmal mehr verteidigte Wolf, der als Topmanager für den russischen Oligarchen Oleg Deripaska arbeitet, Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Es sei "extrem unrichtig" wenn Russland "dämonisiert" werde. "Die Europäer sind gut beraten, sich aus dem Kielwasser der amerikanischen Diktion zu lösen", so Wolf.

"Ich hoffe, dass sich die Wirtschaftspartei in der ÖVP durchsetzt. (...) Derzeit sehe ich das nicht."

Weniger begeistert ist der von der österreichischen Politik. "Wir haben in der österreichischen Parteienlandschaft fast nur Umverteilungsparteien", glaubt Wolf, der einst unter Frank Stronach zum Spitzenmanager beim Autozulieferer Magna aufgestiegen ist. Zur ÖVP meinte Wolf: Ich hoffe, dass sich die Wirtschaftspartei in der ÖVP durchsetzt. (...) Derzeit sehe ich das nicht."

Auf Nachfrage hat der Bauernsohn Wolf auch noch eine Tipp für die Jugend: "Mit beiden Händen im Hosensack ist wenig zu erreichen." (APA, 3.7. 2014)

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