Aufeinanderprallen der Generationen im Mekka

3. Juli 2014, 15:42
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Die Halbfinali stehen im Zeichen der Wachablöse. Die Youngsters Raonic und Dimitrow treffen auf die Institutionen Federer und Djokovic

London - Am 2. Juli um 15.29 Uhr endete für das englische Boulevard-Blatt Sun die britische Sommerzeit. Das Viertelfinal-Aus des schottischen Titelträgers Andy Murray
stürzte das Vereinigte Königreich in eine kollektive Tennis-Depression. Doch nicht nur auf der Insel brach an diesem Mittwoch eine neue Zeitrechnung an: Zwei Youngster schicken sich an, im All England Club von Wimbledon ihre Versprechen auf die Zukunft einzulösen.

Grigor Dimitrow und Milos Raonic, beide 23 Jahre jung, fordern im Halbfinale am Freitag die etablierte Tennis-Generation heraus. Der Bulgare Dimitrow trifft auf den topgesetzten Novak Djokovic, der Kanadier Raonic auf Rekordchampion Roger Federer. Angst vor den großen Namen haben die Aufsteiger längst nicht mehr.

In einem Land nach ihrer Zeit

"Es war an der Zeit", sagte Dimitrow, nachdem er Andy Murray auf dem Centre Court in drei Sätzen geschlagen hatte: "Die jungen Spieler wollen auf diese Bühne. Wir wollen es den Großen zeigen, dass wir nicht mehr weit entfernt sind." Dimitrow hatte bereits beim Vorbereitungsturnier im Londoner Queen's Club triumphiert, nun erobert er Wimbledon.

Auch Milos Raonic, der als erster seiner Generation, zu der auch der Japaner Kei Nishikori zählt, den Sprung in die Top Ten geschafft hat, sprüht nur so vor Selbstbewusstsein. "Wir werden besser und besser. Vor allem in diesem Jahr", sagte der Aufschlagriese, dem im Turnierverlauf bereits 147 Asse gelangen.

Raonic setzte sich im Viertelfinale gegen den 19 Jahre jungen Australier Nick Kyrgios durch, der zuvor Branchenführer Rafael Nadal geschlagen hatte. Zwei der "Fantastischen Vier" waren damit vor dem Halbfinale ausgeschieden, Raonic erkannte etwas "Menschliches" in ihren Gesichtern.

Thronfolge

Ob er sich da nicht täuscht? Nadal und Murray sind zwar nicht mehr dabei, Djokovic und Federer allerdings noch immer eine Bedrohung für die Emporkömmlinge. Besonders der Schweizer - mit 32 Jahren der Alterspräsident der Topstars - ist weit davon entfernt, sein Rasenreich im Londoner Südwesten der nächsten Generation kampflos zu überlassen.

Federer hatte mit seinem Zweitrunden-Aus im vergangenen Jahr enttäuscht. Diesmal scheint er nach seinem Sieg beim Vorbereitungsturnier in Halle bereit. Acht Mal stand der schon so oft abgeschriebene und in London geliebte Federer im Halbfinale, nie hat er ein Vorschlussrundenspiel verloren. Auch gegen Raonic weist er in bisher vier Matches eine makellose Bilanz auf.

Ist 2014 nun seine große Chance auf Grand-Slam-Titel Nummer 18? "The King is dead, long live the King", schrieb der "Daily Express" am Donnerstag. Federer sagte: "Du weißt, da ist die Chance jetzt, einen Schritt weiterzugehen, weil du deinem Spiel vertraust. Das ist der Punkt, an dem ich gerade bin. Ich freue mich wirklich auf die nächsten Tage."

Die Suche nach den Big Points

"Der Durchbruch ist hart", sagte der siebenmalige Titelträger nach seinem Erfolg im Schweizer Duell mit Stan Wawrinka: "Es ist hart für einen Youngster, ein Turnier zu gewinnen, es ist hart, über drei, vier oder fünf Matches, konstant die Big Points zu machen." Allerdings gab der Maestro zu: "Es klopfen einige Jungs an die Tür, allerdings sind es nicht so viele Teenager, wie ich gehofft habe."

Novak Djokovic reagierte etwas verärgert auf die Diskussion, er schaue nicht auf die Favoritenstürze, er konzentriere sich nur auf sein nächstes Match, auf seinen kommenden Gegner. Die Niederlagen von Nadal und Murray zeigen doch nur, "dass man bei einem Grand Slam niemanden unterschätzen darf".

Mit 27 ist der Serbe nur vier Jahre älter als sein Kontrahent Dimitrow, für seinen Trainer Boris Becker ist er damit "im besten Tennisalter". Für das Team Djokovic wird es vorerst keine neue Zeitrechnung und keine Wachablösung an der Spitze geben. "Novak wird noch ein paar Jahre auf diesem Niveau spielen", prophezeit Becker. (sid/APA/Red, 3.7.2014)

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