Mit Teilschutz in Aktien investieren

3. Juli 2014, 15:12
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Bei den Zertifikaten geht der Trend weg von der Garantie und hin zum Teilschutz. Vor allem Aktienanleihen sind derzeit gefragt

Wien - Der Gesamtmarkt für Zertifikate ist seit einem Jahr leicht schrumpfend. Waren im April 2013 noch 13,5 Milliarden Euro in diesen Papieren veranlagt, so waren es im vergangenen April nur mehr 12,3 Milliarden Euro. Grund für diesen Rückgang sei aber nicht eine abnehmende Beliebtheit dieser Produkte, heißt es aus der Branche. Der Effekt ergibt sich, "weil die kuponzahlenden Garantieprodukte permanent ablaufen und nicht zu denselben Konditionen wieder aufgelegt werden können", sagt Andre Albrecht von der Abteilung Fixed Income & Certificate Sales der Erste Bank. Als weiteren Grund nennt Albrecht die strukturierten Anleihen, die aktuell nicht mehr zu den Konditionen aufgelegt werden können wie noch vor einem Jahr.

Teil-Garantie

Wer auf eine gleichhohe Kupon-Zahlung Wert legt, muss derzeit Abstriche bei der Sicherheit machen und zu Teilschutz-Papieren greifen. Für jene Anleger, die bisher vor allem auf Garantiezertifikate gesetzt haben, ist das oft keine Alternative. Denn bei Teilschutz-Zertifikaten - wie der Name schon sagt - wird das eingesetzte Kapital nur zum Teil garantiert. Bei einer positiven Wertentwicklung profitiert der Anleger in vollem Ausmaß mit - geht es aber nach unten, ist eben nur ein Teil des Geldes gesichert.

In der Praxis laufen diese Papiere unter den Namen Airbag-, Bonus- oder Discountzertifikate. Die Mittelzuflüsse in diese Kategorie spiegeln das gestiegene Interesse wider. Aktuelle Zahlen von den fünf heimischen Mitgliedern des Zertifikateforums Austria (Raiffeisen Centrobank, Volksbank, Erste Bank, UniCredit Bank Austria, Royal Bank of Scotland) zeigen, dass rund 1,3 Milliarden Euro in den Teilschutz-Papieren veranlagt sind. Vor einem Jahr waren es 1,2 Milliarden Euro. Während also der Markt an strukturierten Aktienprodukten im selben Zeitraum von 5,47 Milliarden Euro auf 5,01 Milliarden schrumpfte, hat der Bereich Teilschutz zugelegt.

Lust auf Aktien steigt

Die Aktienanleihen - die auch in die Teilschutz-Kategorie fallen - werden derzeit ebenfalls gut nachgefragt, erklärt Albrecht. Aktuell hat die Erste Bank eine Aktienanleihe auf die Voestalpine in der Zeichnungsphase. Geboten wird ein Kupon von 8,75 Prozent bei einem Jahr Laufzeit.

"Aktien werden für Anleger wieder interessant", sagt Albrecht. Viele Anleger würden sich aber noch nicht trauen, direkt in Aktien zu investieren, und griffen daher zu Protect-Aktienanleihen, die mit Zusätzen wie "Barriere von 80 Prozent" ausgestattet sind. Das bedeutet, dass man den fixen Kupon erhält und das eingesetzte Kapital zu 100 Prozent zurückgezahlt wird, wenn die Aktie am Ende der Laufzeit nie die Barriere von 80 Prozent unterschritten hat und die Aktie am Laufzeitende wieder über dem Startwert notiert. Gegenüber dem Direktinvestment in eine Aktie hat der Anleger hiermit den Vorteil, dass er einen fixen Kupon bekommt, auch wenn die Aktie sich seitwärts bewegt.

Gefährliche Schwankungen

Zu beachten ist bei so einer Strategie aber, dass eben keine volle Kapitalgarantie besteht und die Rückzahlung des eingesetzten Geldes von anderen Faktoren abhängt. Während der Laufzeit sind Kursschwankungen der Aktie möglich, und das kann auch zu einem vorzeitigen Verkauf des Zertifikats führen und damit zu Kapitalverlusten. Dann bekommt der Anleger die zugrunde liegende Aktie in sein Depot gelegt - hat im Laufe der Zeit damit aber wiederum die Chance, diese später mit Gewinn zu verkaufen.

Nicht vergessen werden darf bei so einem Produkt auch nicht, dass sich der Gewinn auf die Höhe des Kupons beschränkt. Legt die Aktie in diesem Zeitraum mehr zu, partizipiert der Aktien-Anleihen-Inhaber davon nicht.

Hebelprodukte konnten zuletzt den Trend der vergangenen Monate nicht fortsetzen und haben an Volumen verloren, zeigt der Report vom Zertifikate-Forum Austria. Am Verhältnis Anlageprodukte zu Hebelprodukten hat sich mit 99,3 zu 0,7 Prozent nichts verändert. Hebelprodukte sind in Österreich nur für einen kleinen Anlegerkreis von Interesse. Das Handelsvolumen ist im Mai um 28,9 Prozent gesunken. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 27.6.2014)

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