Hans-Peter Metzler: "Diese Benachteiligung ist skandalös" 

3. Juli 2014, 15:54
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Hans-Peter Metzler, Präsident der Bregenzer Festspiele, beklagt die finanzielle Situation der Festspiele und ärgert sich über Subventionsgeber Bund

Knapp vor Beginn der Bregenzer Festspiele äußert sich der Festspielpräsident Hans-Peter Metzler zur ökonomischen Lage des Festivals und zeigt sich verärgert über die öffentliche Hand - speziell über den Bund:  "Wenn ich zu Minister Ostermayer gehe, dann sieht er in mir vor allem einen konservativen Vorarlberger Unternehmer. Dass wir mehr als andere dem Bildungsauftrag des Bundes nachkommen, wird übersehen. Wir argumentieren ohnedies schon ständig wirtschaftlich - was ja eigentlich falsch ist. Denn wozu brauche ich überhaupt ein Gemeinwesen, wenn es nicht auch auf Bildung und Wissenschaft, Kunst und Kultur achtet? Bei einem Budget von 25 Millionen Euro generieren wir jedes Jahr über 22 Millionen Euro an direkten Steuergeldern fürs Finanzministerium. Davon bekommen wir nur drei Millionen fürs Programm zurück."

Fragen der Leistbarkeit 

Metzler Suche nach Lösungen ist denn auch nicht frei von angedachten Tabubrüchen: "Natürlich bin ich da, um nach Lösungen zu suchen. Aber meine Lösungen werden vielleicht nicht allen schmecken", so der Festspielpräseident: "Wir werden fragen müssen: Können wir uns Personal und ein Orchester leisten (die Wiener Symphoniker, Anm.), das jedes Jahr zwei bis drei Prozent mehr kostet? Müssen von den sechs bis sieben Millionen, die wir alle zwei Jahre in die Bühne und Aufbauten investieren 100 Prozent an österreichische Firmen gehen oder können wir unsere Produktionen auch woanders anfertigen lassen?"

Man schaffe oder erhalte ja "außerhalb des Festspielhauses über 1.150 Vollzeitarbeitsplätze, ganz zu schweigen von der Auswirkung auf den Tourismus. Diese Fragen muss man dann stellen. Natürlich könnten wir weniger Programm machen. Aber wenn wir nur den See machen, in der gleichen Qualität, verlieren wir innerhalb von zehn Jahren die Hälfte der Besucher, weil das Festival sein Profil verliert. Und wir zerstören damit einen Teil unseres materiellen und immateriellen Wohlstands."

Dennoch zufrieden 

Dennoch ist Metzler für die kommenden Festspiele nicht unzufrieden: "Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir heuer 29 Aufführungen am See - und eine Reihe mehr Stühle. Und wir werden, so Gott will, zum ersten Mal vor der Eröffnung am See ausverkauft sein." Damit stoße man aber "an natürliche Grenzen. Sehr viel mehr können wir nicht tun." (APA, 3.7.2014)

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