Snowdens großes Vorbild verkauft jetzt iPhones

2. Juli 2014, 18:06
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Thomas Drake sagt am Donnerstag im NSA-U-Ausschuss aus

Wenn Thomas Drake am Donnerstag vor den NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags tritt, kann es sein, dass er auf Deutsch mit den Abgeordneten kommuniziert.

Denn Drake war in den 1980ern als Angehöriger der US-Luftwaffe in Deutschland stationiert. Dort kam er mit dem Überwachungsstaat der DDR und dessen Stasi in Berührung - Eindrücke, die er sein Leben lang nicht mehr vergessen sollte. 1989, im Jahr des Mauerfalls, wechselte er nach einem kurzen Stopp bei der CIA zur NSA, die ihn als Software-Experten bei Partnerunternehmen einsetzte.

Am 11. September 2001 versetzt

Ausgerechnet am 11. September 2001, dem Tag der verheerenden Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon, wurde Drake in die NSA-Zentrale in Fort Meade versetzt. Dort sollte Drake, mittlerweile in einer Führungsposition, ein geheimes Überwachungsprogramm namens Thinthread evaluieren.

Die neu entwickelte Software war in der Lage, sämtliche Telefon- und Internetdaten abzusaugen, verschlüsselte diese jedoch automatisch. Wollte ein NSA-Mitarbeiter Zugriff auf die Daten haben, musste er ein Gericht bemühen, um sie entschlüsseln zu können.

Programm schützt Privatsphäre

Drake befürwortete das Programm, da es die Privatsphäre der Bevölkerung schützte. Später erfuhr er allerdings, dass ein neues Programm zum Einsatz kommen sollte, dass ohne diesen Schutz auskam. Bei Drake kamen Erinnerungen an die Methoden der Stasi auf. Er versuchte, sich intern zu beschweren, wurde jedoch mehrmals abgewimmelt. Im November 2005 übermittelte er dann Dokumente über die Überwachungsprogramme an die Zeitung Baltimore Sun.

2007 stürmten FBI-Beamte Drakes Haus. Sie beschlagnahmten seinen Rechner und eröffneten ihm, er sei aufgrund des Espionage Act von 1917 angeklagt. Nach einem langjährigen Verfahren wurde der Streit nach vier Jahren außergerichtlich gelöst. Die US-Regierung konnte dem Whistleblower nicht nachweisen, Geheimdokumente weitergegeben zu haben. Drake gestand ein, einen Computer unautorisiert benutzt zu haben, und wurde entlassen. Später fand er Arbeit als Verkäufer in einem Apple-Shop.

Als im Juni 2013 ein weiterer NSA-Whistleblower namens Edward Snowden die Welt über die Machenschaften des Geheimdienstes aufklärte, erinnerte man sich wieder an Drake. Auch Snowden wusste, wie die US-Regierung sein großes Vorbild Drake behandelt hatte - und war deshalb vorab aus den USA geflohen. (Fabian Schmid, DER STANDARD, 3.7.2014)

  • Thomas Drake gilt als zweitwichtigster NSA-Whistleblower
    foto: ap/rick bowmer

    Thomas Drake gilt als zweitwichtigster NSA-Whistleblower

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