Landgrabbing: Neokolonialismus-Keule

Kommentar2. Juli 2014, 17:58
50 Postings

Nicht jede Investition in Agrarland ist Landgrabbing

Es sind bedenkliche Entwicklungen, über die NGOs seit Jahren berichten: Ausländische Staaten und Unternehmen reißen sich zusehends große Flächen Land unter den Nagel, um die Versorgung im Inland zu sichern oder um einfach nur Profite zu erwirtschaften. Nicht nur China hat mit derartigen Praktiken insbesondere in Afrika für Aufregung gesorgt, auch westliche Konzerne langen kräftig zu. Auf der Strecke bleiben dabei traditionelle Bewirtschaftung und damit Einkunftsquellen der ärmsten Bevölkerungsschichten, die lokale Ernährung und die Ökologie. Oft kassieren bei den undurchsichtigen Transaktionen korrupte Behörden mit, Entschädigungen für die Betroffenen sind nachrangig.

So wichtig der Hinweis auf diese Fehlentwicklung ist, so differenziert sollte die Diskussion geführt werden. Zahlreiche Projekte haben gezeigt, dass internationales Kapital die Landwirtschaft modernisieren und zur besseren Versorgung im In- und Ausland beitragen kann. Manche Betriebe werden recht fahrlässig des Landgrabbings bezichtigt. Eine österreichische Sägeindustrie in der Ukraine beispielsweise wird schwer ohne Waldbesitz auskommen. Hier die Neokolonialismus-Keule zu schwingen ist übertrieben.

Entscheidend in der Frage sind demokratisch legitimierte Rahmenbedingungen, transparente Vergabe, starke Mitbestimmung der lokalen Gemeinschaft und nachhaltige Bewirtschaftung. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 3.7.2014)

Share if you care.