Magische Momente, jubelnde Joker

2. Juli 2014, 17:27
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FIFA-Generalsekretär Valcke findet für die WM Superlative, dabei ist das Turnier noch gar nicht vorbei. Rekorde gibt es aber schon

Rio de Janeiro - Dass sportliche Großereignisse als jeweils beste ihrer Geschichte bezeichnet werden, ist weder neu, noch überraschend. Der frühere Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Juan Antonio Samaranch, pflegte seinen Ausspruch von den "besten Spielen aller Zeiten" regelmäßig zu verwenden. Überraschender ist, dass so eine Aussage schon vor Ende eines Events getätigt wird. Von "der besten WM aller Zeiten" sprach Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke noch vor dem Viertelfinale in Brasilien. Er bezog sich dabei auf die Qualität der Spiele.

Viele Tore

"Viele Tore", merkte Valcke auch noch an, seien gefallen. 154 waren es in 56 von 64 Partien. Macht 2,75 Treffer im Schnitt, nach der Vorrunde waren es noch 2,83. Sollte sich der Schnitt halten, wäre es der höchste seit der WM 1982 in Spanien (2,81).

"Überraschungsmannschaften wie Costa Rica" begeisterten Valcke auch. Das Team aus Zentralamerika gewann die knifflige Gruppe D (mit Uruguay, Italien und England) und steht, wie auch alle anderen Gruppensieger, im Viertelfinale. Dies passierte erstmals, seit die WM mit 32 Mannschaften (1998 in Frankreich) gespielt wird. Der Franzose Valcke freut sich natürlich, dass seine Landsleute noch im Bewerb sind. Ebenso wie die Deutschen, die Belgier und die Niederländer. Womit die Europäer in der Runde der letzten Acht am zahlreichsten vertreten sind. Vor vier Jahren in Südafrika waren es noch die Südamerikaner (vier).

Viele Verlängerungen

Valcke hat das nicht gesagt, aber nicht von jeder Partie wollte man zwingend eine Verlängerung sehen. Man sah jedenfalls in den bisherigen acht K.o.-Spielen fünf. Das hatte es in der WM-Geschichte bisher nur 1938 in Frankreich gegeben. Zweimal musste das Elfmeterschießen zur Entscheidungsfindung herhalten. Bei den vorangegangenen sechs Weltmeisterschaften war jeweils nur ein Achtelfinalspiel im Elferschießen entschieden worden.

Ziemlich viele Zuschauer

Zu einer "fantastischen WM" trügen auch die feiernden Fans bei, sagte Valcke. 51.989 waren pro Partie im Schnitt im Stadion, das ist derweil der dritthöchste Wert der bisherigen Geschichte. In Deutschland 2006 waren es mit 52.491 Zuschauern nur knapp mehr, in den USA 1994 (69.000) deutlich mehr.

Der Rest der WM, sagte Valcke, sei einfach nur zum Genießen da. Genießen können die 24 ausgeschiedenen Mannschaften ihren Urlaub, sofern das Ausscheiden schon verkraftet wurde. Für acht Teams geht es noch um etwas. Deutschland oder die Niederlande könnten sich den Titel holen, tippen die User in einer Umfrage auf derStandard.at.

Außerdem geht's um den Goldenen Ball (bester Spieler) und den Goldenen Schuh (erfolgreichster Torschütze). Für beide Auszeichnungen empfiehlt sich der Kolumbianer James Rodríguez, der Brasilianer Neymar und der Argentinier Lionel Messi. Nicht dafür infrage kommt Memphis Depay. Der Niederländer gehört zu der in Brasilien häufigen Spezies der Joker-Torschützen. 29 Treffer wurden von Einwechselspielern erzielt. Depay schaffte das als einziger zweimal. Der Jokertorrekord von 2006 (23) ist längst übertroffen.

Dass die WM so "fantastisch" ist, wie Valcke sie eben findet, daran hat auch der FC Bayern großen Anteil. Das wiederum dürfte Franz Beckenbauer noch viel mehr als Valcke freuen. 14 der bisherigen 154 Treffer wurden von Spielern erzielt, die ihr Geld eigentlich beim deutschen Meister verdienen. Das ist fast schon kaiserlich. (rie, DER STANDARD, 3.7.2014)

  • Captain America ist nach dem Achtelfinal-Aus gegen Belgien sehr einsam. So allein waren Zuseher ansonsten selten.
    foto: ap/pisarenko

    Captain America ist nach dem Achtelfinal-Aus gegen Belgien sehr einsam. So allein waren Zuseher ansonsten selten.

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