Wien: Sachgeschichte im Kompostwerk

Ansichtssache2. Juli 2014, 18:17
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Wie aus Biomüll Kompost wird: Wiens Umweltstadträtin Sima präsentierte die neue Bioaufbereitungsanlage

Der Geruch ist sogar angenehm. Er schlägt einem schon entgegen, wenn man an der Bushaltestelle Lobgrundstraße steht und ist ein praktischer Wegweiser zum Kompostwerk Lobau. Dort präsentierten am Mittwoch Stadträtin Ulli Sima und MA-48-Chef Josef Thon die neue Bioaufbereitungsanlage.

Statt wie bisher zwischen der Abfallbehandlungsanlage Rinterzelt im 22. Bezirk und dem Kompostwerk hin- und herzufahren, um den Wiener Biomüll zu verarbeiten, wurden die zwei Standorte zusammengelegt. Das spare Kosten und Transporte, sagt Thon.

foto: christa minkin

Ein Fußmarsch von rund 20 Minuten die Lobgrundstraße entlang, dann noch ein bis zwei Kilometer von der Zufahrt bis zur Anlage: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Kompostwerk Lobau zu fahren, verlangt Durchhaltevermögen. Und gute Schuhe - die Bushaltestelle erscheint nur am Stadtplan nah.

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foto: felicitas matern

Die Lkw der MA 48 haben es da natürlich leichter. 27 "Biosammelstrecken" gibt es in Wien: Start und Ende ist immer das Kompostwerk - dazwischen fährt je ein Lkw eine der 27 Routen ab und wird mit Biomüll befüllt.

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foto: christa minkin

Hier wird der eingesammelte Bioabfall auf einen großen Haufen aufgeschüttet: Die Abfälle kommen aus den über 80.000 Tonnen, die auf Privatgrund stehen sowie aus den rund 10.000 öffentlichen Biotonnen auf den Wiener Straßen. Der Eindruck täusche, dass die Zahl der Tonnen sinkt, sagt Stadträtin Sima. Weil aber in öffentlichen Tonnen gerne auch Kunststoffe oder Restmüll entsorgt werden, habe man diese verringert. Dafür haben immer mehr Haushalte auf ihrem privaten Grundstück eine Tonne stehen - und da sei der Müll "zu 99,9 Prozent total in Ordnung", sagt Sima.

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foto: christa minkin

Dort werden nämlich meist Gartenabfälle entsorgt. Die MA 48 scheint aber mittlerweile zu wissen, wo es was zu holen gibt: Müllbehälter, die erfahrungsgemäß mit Speiseresten befüllt sind, gehen direkt an die Biogasanlage. Die Gartenabfälle hingegen werden von dem großen Haufen mit dem Bagger zur nächsten Station befördert, wo sie erst einmal zerkleinert werden.

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foto: christa minkin

Sollten doch Metalle oder Dosen im Biomüll gelandet sein, werden sie im Magnetabscheider ausgefiltert. Im Trommelsieb werden die Kunststoffe entfernt.

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foto: christa minkin

Dann geht es weiter zur Verladestation. Übrigens gibt es auch einen zweiten großen Haufen, der nur aus Baum- und Strauchresten besteht. Deshalb führen zur Verladestation zwei Röhren - eine für die gewöhnlichen Bioabfälle und eine für die Zweige und Äste. Die brauchen nämlich nicht extra durch die Metall- und Kunststoffstation zu wandern.

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foto: felicitas matern

In der Verladestation wird alles zusammengemischt, wieder in Lkw eingefüllt und zu "Zeilenmieten" aufgeschüttet. Das Material nennt sich dann "Kompostrohfraktion" - pro Aufbereitungsverfahren werden etwa 100.000 Tonnen Rohfraktion kompostiert.

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foto: felicitas matern

Das schaut dann so aus. Die "Rottefläche" besteht aus "Zeilenmieten".

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foto: felicitas matern

Für dieses Gerät gibt es mehrere Bezeichnungen. Die offizielle lautet Kompostumsetzmaschine. Für die Angestellten heißt es schlicht "Umsetzer" oder auch "U-Hakerl".

In jedem Fall dient die orange Maschine dem "Durchrühren" der Rohfraktion. Auf diese Weise kommt nämlich Luft hinein - ähnlich wie beim Rühren von Kuchenteig.

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foto: christa minkin

Dann heißt es warten und nach etwa acht Wochen den fertigen Kompost noch einmal absieben.

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foto: felicitas matern

Einen Teil bekommen schließlich landwirtschaftliche Betriebe in Wien und Umgebung sowie die Wiener Stadtgärten (MA 42) und das Forstamt (MA 49). Etwa die Hälfte wird zum Erdenwerk transportiert, wo eine ausgewogene torffreie Erde zusammengemischt wird. Die wird dann in Sackerl zu 18 und 40 Litern abgefüllt und steht zum Verkauf (für rund 3 bzw. 5 Euro). Insgesamt 40.000 solcher Sackerl habe man in diesem Jahr bereits verkauft, sagt MA-48-Chef Josef Thon. Das sei bereits mehr als im Vorjahr insgesamt verkauft wurde. (Christa Minkin, derStandard.at, 2.7.2014)

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