Sarkozy und die sieben Mühlsteine 

2. Juli 2014, 17:17
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Frankreichs schillerndes Ex-Staatsoberhaupt hat so manches Problem am Hals

Nicolas Sarkozy, französischer Ex-Präsident, will eigentlich 2017 erneut zur Präsidentschaftswahl antreten. Es stehen ihm aber mehrere Justizaffären im Wege. Die sieben wichtigsten in absteigender Gefährlichkeit:

  1. Die Bestechungsaffäre. Sarkozy soll einen Beamten angehalten haben, Einfluss auf eine laufende Ermittlung zu nehmen und Informationen zu beschaffen. Im Gegenzug war eine (dann nicht erfolgte) Nominierung in die Regierung Monacos geplant. Die Justiz stieß bei abgehörten Telefongesprächen - dabei verwendete er ein Handy, das nicht auf seinen Namen zugelassen war - zufällig darauf.
  2. Die Tapie-Affäre. Sarkozy soll dem Mitte-Politiker Bernard Tapie zu einer Staatsentschädigung von 403 Millionen Euro verholfen haben, nachdem dieser den Sportartikelhersteller Adidas mit Verlust an die Bank Crédit Lyonnais abtreten musste. Danach unterstützte Tapie im Präsidentschaftswahlkampf 2007 Sarkozy.
  3. Gaddafi-Gate. Der libysche Ex-Diktator Muammar al Gaddafi soll Sarkozys Präsidentschaftskampagne 2007 mit 50 Millionen Dollar mitfinanziert haben. Das behaupteten Personen aus dem Umfeld des getöteten Herrschers, nachdem sich Sarkozy  2011 an vorderster Front für den Nato-Einsatz gegen Gaddafi eingesetzt hatte.
  4. Die Bygmalion-Affäre. Weil Sarkozy im Präsidentschaftswahlkampf 2012 den Ausgabenplafond von 22 Millionen Euro überschritt, übernahm seine Partei UMP die Mehrkosten in Höhe von 17 Millionen Euro. Sie wurden mit fiktiven Rechnungen für teils imaginäre Parteianlässe vertuscht. Das Ganze lief über das der UMP nahestehende Beratungsunternehmen Bygmalion ab.
  5. Die Umfragen-Affäre. Der umfragesüchtige Sarkozy soll während seiner Präsidentschaft  2007-2012 mehrere Publikumserhebungen in Auftrag gegeben haben, die zu persönlichen Wahlkampfzwecken und von befreundeten Instituten erstellt wurden, aber der Staatskasse in Rechnung gestellt wurden.
  6. Die Bettencourt-Affäre. Sarkozys Wahlkampfteam soll von der L'Oréal-Erbin und Milliardärin Liliane Bettencourt 2007 Bargeld entgegen genommen haben. Das Verfahren läuft gegen mehrere französische Politiker und ehemalige Sarkozy-Vertraute. Sarkozy selbst wird aber mangels Beweisen nicht verfolgt.
  7. Karachi-Gate. 1995 flossen suspekte Kommissionen aus einem Verkauf französischer U-Boote an Pakistan in die Wahlkampfkasse des gaullistischen Präsidentschaftskandidaten Edouard Balladur. Sarkozy war damals dessen Budgetminister und Wahlkampfsprecher; seine Verwicklung ist allerdings nicht belegt. (Stefan Brändle aus Paris, derStandard.at, 2.7.2014)
  • Ob mit Muammar al-Gaddafi ...
    foto: epa/horacio villalobos

    Ob mit Muammar al-Gaddafi ...

  • ... oder mit Liliane Bettencourt: Die Justizaffären von Nicolas Sarkozy sind mannigfaltig.
    foto: ap/dapd/thibault camus

    ... oder mit Liliane Bettencourt: Die Justizaffären von Nicolas Sarkozy sind mannigfaltig.

  • ... oder mit Bernard Tapie ...

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