"Nonplusultra" Rodriguez soll Neymar-Party beenden

2. Juli 2014, 16:38
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"Ich will Geschichte schreiben" - Massive Erwartungshaltung lastet auf WM-Shootingstar

Fortaleza - James Rodriguez würde nur allzu gerne in die Rolle des Partycrashers schlüpfen. Die ganze Fußball-Welt erwartete in Brasilien ein Duell der beiden Megastars Neymar und Messi um den Titel des WM-Helden. Für die Nummer zehn von Kolumbien schien kein Platz auf der ganz großen Bühne. Nach seinen bisher fünf WM-Toren ist nun aber alles anders.

Der kolumbianische Überflieger könnte am Freitag (22 Uhr MESZ) im Viertelfinale sogar die Neymar-Manie bei dieser WM vorzeitig beenden und den WM-Gastgeber ins Tal der Tränen schicken. "Ich will Geschichte schreiben", kündigte Rodríguez vor dem brisanten Südamerika-Gipfel im heißen Fortaleza an.

Unterschiedlicher Werdegang

Der Weg der beiden 22-Jährigen ins Rampenlicht hätte unterschiedlicher kaum sein können. Neymar reifte beim heimischen FC Santos zur Extraklasse und wechselte erst im vergangenen Sommer für 57 Millionen Euro zum FC Barcelona. Rodriguez wagte schon als 18-Jähriger den Sprung nach Europa, kämpfte sich trotz Heimwehs beim FC Porto durch - und trumpft nun bei der Weltmeisterschaft überraschend stark auf.

"Dieser Kerl namens James Rodriguez ist aufgetaucht und hat die WM von Messi und Neymar gesprengt", schwärmte Argentiniens Fußballikone Diego Maradona über das Offensivjuwel vom AS Monaco, für den er seit dem Vorjahr spielt. "Er ist das Nonplusultra."

Auch wenn im brasilianischen Spiel dieser Glanz meist fehlte, konnte Neymar zumindest mit vier Treffern und dem letzten verwandelten Elfmeter im Achtelfinale gegen Chile die monströsen Erwartungen der fußballverrückten Nation weitgehend erfüllen. In den vergangenen Tagen gab es Spekulationen über seine Fitness, bis der brasilianische Teamarzt Entwarnung gab.

Team statt Star

Die Kolumbianer blieben indes gelassen. Der gefährliche Außenseiter will sich ohnehin nicht vom Hype um Neymar blenden lassen und warnt regelmäßig vor einer zu starken Fokussierung auf den Offensiv-Fixpunkt der Brasilianer. "Er ist ein Star der WM", sagte Mittelfeldspieler Carlos Sanchez. "Aber es wäre respektlos bei der ganzen Auswahl voller Stars nur über ihn zu sprechen. Es wird ein Kampf gegen das ganze Team und nicht nur gegen Brasiliens Neymar."

Auch der Gastgeber äußert sich voller Respekt über "King James" ("Marca"), der beim 1:1 im bisher einzigen Duell im November 2012 ohne Tor geblieben war. "Er ist der Crack Kolumbiens", erklärte Chelsea-Verteidiger Ramires. "Wir müssen auf ihn genauso aufpassen wie die Kolumbianer auf Neymar aufpassen werden. Ich habe ihn schon zu seiner Zeit bei Porto verfolgt und jetzt spielt er eine ausgezeichnete WM."

Erwartungshaltung enorm

Wie sein brasilianischer Gegenpart startet Rodriguez mit der zehn auf dem Rücken meist auf der linken Seite, entwickelt aber mit großer Laufintensivität starken Drang in die Mitte.  Rodriguez besitzt mit Juan Cuadrado einen kongenialen Partner.

Seit dem Abgang der goldenen, aber ungekrönten Generation um Carlos Valderrama hatte das lange vom Drogenkrieg gebeutelte Land einen Nachfolger für den charismatischen Anführer herbeigesehnt. "Die Suche ist seit Brasilien 2014 beendet", schrieb die Zeitung "El Espectador".

Historie als Prognose

Nach der quälend langen Wartezeit von 16 Jahren auf eine WM-Teilnahme zeigt sich auch der inzwischen als Radiokommentator tätige Valderrama begeistert von Rodriguez. "Er ist einzigartig. Er ist anders als ich und ein Spieler, der große Dinge erreichen kann", pries der 52-Jährige den Goalgetter. "Er hat das Potenzial, der beste kolumbianische Spieler aller Zeiten zu werden und vielleicht einer der größten der Fußballgeschichte."

Mit seinen fünf Treffern ist Rodriguez zumindest schon zum besten WM-Torschützen der Historie seines Landes aufgestiegen. Für Neymar wäre es hingegen noch ein deutlich weiterer Weg, um in der Ahnengalerie an Pele, Ronaldo oder Zico vorbeizuziehen - besonders wenn ein knapp sieben Monate älterer Kolumbianer den Traum vom sechsten WM-Titel jäh beendet. (APA, 2.7.2014)

  • Kann James Rodriguez Neymar die Show stehlen?
    foto: ap

    Kann James Rodriguez Neymar die Show stehlen?

  • Der könnte das am Weg zur Legende gar nicht brauchen.
    foto: apa

    Der könnte das am Weg zur Legende gar nicht brauchen.

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